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TU Berlin

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Vermischtes

Ziviler Held mit preußischem Geist

Freitag, 11. Oktober 2013

Das aufregende Leben des Chemikers Alexander Schönberg

Das Foto von Alexander Schönberg wurde von seinem Schüler aufgenommen, dem späteren TU-Prof. Dr.-Ing. Klaus Praefcke. Es hing in dessen Büro bis zu Praefckes Emeritierung.
Lupe

Sein Leben war außergewöhnlich. 1934 drohte ihm wegen seiner jüdischen Herkunft die Entlassung als Hochschullehrer durch die TH Berlin und damit die Vernichtung seiner beruflichen Existenz. Selbst die einstige Studentenvereinigung „Rhenania“ forderte den freiwilligen Austritt. Als er sich weigerte, wurde der Chemiker Alexander Schönberg ausgeschlossen. Er empfand das als Verstoß gegen preußisches Treuegebot. Doch das war nur ein Anfang, denn unverkennbar betrieb das NS-Regime eine antisemitische Vertreibungspolitik. So emigrierte er und arbeitete als organischer Chemiker in der Fremde erfolgreich weiter. Als Schönberg 1958 nach Berlin zurückkehrte, erstritt er in einem Wiedergutmachungsprozess die Anerkennung als emeritierter Professor der TU Berlin und die Einrichtung eines Privatlaboratoriums, das öffentlich gefördert wurde.

Als Sohn eines preußischen Landrichters und dessen jüdischer Ehefrau wurde er am 28. 10. 1892 in Berlin geboren. Er wuchs in Bonn auf, machte Abitur, begann 1912 ein Chemiestudium und lernte schließlich seine spätere Frau Elisabeth kennen. Als 1914 der Weltkrieg ausbrach, meldete er sich freiwillig an die Front. Mehrfach verwundet, nutzte er Erholungsurlaube, um in Freiburg und Aachen sein Studium fortzusetzen, das er 1918 in Berlin beendete, wo er anschließend – mitten in den Revolutionswirren 1919 – zum Doktor promovierte. 1922 habilitierte er sich an der TH Berlin, heiratete, und 1924 wurde Tochter Elisabeth geboren. Schönberg, der 1926 a. o. TH-Professor wurde, wirkte auf vielen Gebieten bahnbrechend. Seine Forschung beeinflusste die sich damals anbahnende Revolution zu den Bindungsvorstellungen in der Organischen Chemie. Hoch angesehen wurde er 1932 Vorstandsmitglied der „Deutschen Chemischen Gesellschaft“ und er erhielt, als Mitglied der „Gesellschaft von Freunden der TH Berlin“ im fatalen Jahr 1933 noch eine Forschungsfinanzierung. Diverse Diskriminierungen durch das NS-Regime veranlassten ihn 1934, als „Research Worker“ an die Medizinfakultät der Universität Edinburgh zu gehen. Dort forschte er mit dem Pharmakologen J. M. Robson über synthetische Östrogene. Die Familie kam bald nach, aber die Zeit der Ortswechsel war noch nicht vorbei. 1937 wurde er – auf Empfehlung von Nobelpreisträger Richard Willstätter – als Professor für Chemie an die Universität Kairo berufen, wo er zum Direktor des Chemischen Instituts aufstieg und sich große Verdienste bei der Etablierung der chemischen Forschung und in der Ausbildung ägyptischer Chemiker erwarb. Doch selbst am Nil war er von faschistischen Vorstößen betroffen. 1938 bewarb sich Mark von Stackelberg, Professor und Nationalsozialist, an der Universität Kairo. Er ließ durchblicken, dass er als „Arier“ einem jüdischen Direktor nicht „subordiniert“ werden könne, und beanspruchte „Koordination“. Dieses Ansinnen irritierte die Kairoer Behörden, die Bewerbung scheiterte. Doch 1942 stand das Rommel’sche Afrikakorps vor El Alamein und bedrohte auch Kairo. Die Schönbergs wurden nach Palästina evakuiert, waren aber bald wieder in Kairo. Als Schönberg 1957 emeritiert wurde, kehrte das Ehepaar nach Berlin zurück.

Er wurde als Professor der TU Berlin rehabilitiert und leitete fast 25 Jahre lang noch ein Forschungslaboratorium, konnte weiterforschen, bildete junge Chemiker aus, wie den späteren TU-Professor Klaus Praefcke, betreute mehrere Dissertationen und veröffentlichte rund 300 Publikationen. Als er 1978 den „Orden der Republik Ägypten“ für seine „wissenschaftliche Entwicklungshilfe“ erhielt, war er sehr stolz, doch als 1984 seine geliebte Frau Elisabeth starb, schwanden auch seine Kräfte. Alexander Schönberg starb am 10. Januar 1985 in Berlin. Sein Grab befindet sich in Randalls Park, in Leatherhead Surrey, südwestlich von London.

Die Serie „Orte der Erinnerung“ im Netz: www.tu-berlin.de/?id=1577

Hans Christian Förster / Quelle: Hochschulzeitung "TU intern", 10/2013

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