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TU Berlin

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Universitätsarchiv

Freitag, 11. Oktober 2013

Zwischen Besatzung und Neuanfang

Jean D’Ans, Zeichnung von 1951 aus dem Nachlass, Künstler unbekannt
Lupe

Der Chemiker Prof. Dr. Jean D’Ans (1881–1969) war seit dem 1. August 1945 Angehöriger der TH Berlin. 1947/48 wurde er einer der ersten Rektoren der neuen Universität. In jener Zeit mussten Kriegstrümmer beseitigt, der Wiederaufbau organisiert und die demokratische Erneuerung der Hochschule begonnen werden. Der umfangreiche Nachlass von Jean D’Ans befindet sich heute im Universitätsarchiv und nimmt neunzehn Regalmeter ein. Zurzeit wird er benutzerfreundlich aufgearbeitet. Dieser Nachlass enthält diverse Privat- und Amtsbriefwechsel, Konvolute zu Fachgebieten der Chemie, Aufsatzsammlungen, gedruckte wie ungedruckte Schriften und – last but not least – auch handschriftliche Erinnerungen. Auf rund 250 Seiten, die zwischen 1961 und 1963 entstanden, schrieb D’Ans seine Erlebnisse in den frühen Nachkriegsjahren nieder. Sein Blick ist originell und interessant, weil er quer zu einigen Klischees der Überlieferung aus dieser Zeit liegt.

Die Erinnerungen umfassen die Jahre 1945 bis 1948, jene kurze Ära vor dem endgültigen Ausbruch des Kalten Krieges zwischen den Siegermächten. D’Ans beschreibt, wie das Universitätsgelände 1945 aussah, welche Personen sich aktiv für das „Wiederingangsetzen“ des Universitätsbetriebs engagierten. Er berichtet über die ersten Nachkriegsrektoren, über das Verhältnis der Hochschulgremien zu den vier Besatzungsmächten und zum Berliner Magistrat. D’Ans erzählt, mit welchen Aufgaben und Schwierigkeiten die Hochschulangehörigen zu kämpfen hatten. Er beschreibt, wie er die neue Bibliothek mit aus den Berliner Antiquariaten zusammengekauften Büchern versorgt und wie das Chemiegebäude „entrümpelt“ wurde. Er erzählt von seinen Kontakten zu den englischen Kulturoffizieren, schildert lebendig ihre persönlichen Merkmale. D’Ans beschreibt auch, welche Konflikte, Intrigen, Kooperationen und Animositäten es damals zwischen den agierenden Militärs, Kommunalpolitikern und Hochschullehrern gab. Und er berichtet, wie konsequent man 1945/46 mit dem NS-Erbe umging. Vielleicht könnten diese Erinnerungen – in der Vorbereitung des 70. TU-Jubiläums 2016 – einen originellen subjektiven Kontrapunkt setzen.

Hans Christian Förster / Quelle: Hochschulzeitung "TU intern", 10/2013

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