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TU Berlin

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Studium & Lehre

Fließend stottern

Freitag, 11. Oktober 2013

TU-Student gründet Selbsthilfegruppe für junge Sprachbehinderte

Patrick Chmiela hilft Studiernden, die an einer Redeflussstörung leiden
Lupe

Die einen lieben es, für andere gibt es nichts Schlimmeres: Vorträge halten. Der Gedanke, vor einem großen Publikum ins Stottern zu geraten, ist wohl den meisten Menschen unangenehm. Häufig bleibt dieses „Worst case“-Szenario jedoch eine Befürchtung, die sich nicht erfüllt. Für manche aber ist es mehr – das Stottern ist Teil ihres Alltags.

Auch TU-Student Patrick Chmiela ist Stotternder. Mittlerweile kommt er mit seiner Sprechbehinderung gut zurecht, doch er kennt die alltäglichen Probleme und Sorgen vieler Betroffener, auch im Studienalltag: „Herausfordernd sind vor allem mündliche Prüfungssituationen, aber auch während Lehrveranstaltungen Fragen zu stellen, vor vielen Menschen, kostet Überwindung“, sagt der 23-Jährige. Damit wollte er sich nicht abfinden – und gründete eine Selbsthilfegruppe. Gemeinsam mit anderen jungen Menschen aus ganz Deutschland und mit der Unterstützung der Bundesvereinigung Stottern & Selbsthilfe e. V. (BVSS) entwickelte er ein Selbsthilfekonzept speziell für junge Menschen, die an der Redeflussstörung leiden. „Eine Selbsthilfegruppe für Stotternde ist eine ideale Möglichkeit, das Stottern dauerhaft unter Kontrolle zu halten – wenn man bereits durch eine Therapie das nötige Werkzeug, wie zum Beispiel eine Sprechtechnik, an die Hand bekommen hat“, erklärt der Physikstudent. Und auch bei einem Rückfall sei die Gruppe eine wichtige Anlaufstelle. Durchschnittlich erscheinen vier bis fünf Hilfesuchende zu den Treffen, 26 arbeiteten bisher mit.

Gerade für junge Betroffene habe es lange kaum adäquate Angebote gegeben. Das könne unter anderem daran liegen, dass die deutsche „Selbsthilfeszene“ zum Thema Stottern vergleichsweise klein sei, erklärt Patrick Chmiela. Die BVSS führt derzeit 90 Gruppen deutschlandweit auf. Das Team der Berliner Sprechgruppe „Flow“, die Patrick Chmiela betreut, vermutet, dass viele Stotternde sich scheuen, mit anderen zu kommunizieren – und deshalb auch Schwierigkeiten haben, sich Unterstützung zu holen.

Das Durchschnittsalter der wenigen bestehenden Sprechgruppen liege zudem, so Patrick Chmiela, häufig bei über 50 Jahren. Aufgrund der unterschiedlichen Lebenssituationen und -probleme in den jeweiligen Lebensphasen fühlten sich Jugendliche und junge Erwachsene dort oft nicht gut aufgehoben. Die Gruppe „Flow“, die sich an das Motto „Fließend stottern“ hält, wendet sich deshalb speziell an junge Stotternde zwischen 16 und 29 Jahren.

Mit seinem eigenen Stottern geht der TU-Student sehr offen um: „Viele meiner befreundeten Kommilitonen wissen Bescheid. Bei einer mündlichen Prüfung teile ich den Prüfern mit, dass ich Stotternder bin. Dann wissen sie, dass ich deswegen ins Stottern komme und nicht, weil ich schlecht auf die Prüfung vorbereitet bin.“ Er selbst kann sich an keine Situation im Studium erinnern, in der er durch seine Sprechbehinderung benachteiligt wurde. Doch er wisse, dass viele Stotternde sich allein gelassen fühlen. „Eine wichtige Erfahrung, die viele in unserer Selbsthilfegruppe machen, ist, dass man nicht der einzige Stotternde auf der Welt ist. Manch einer kommt hier das erste Mal mit anderen Betroffenen in Kontakt.“

Eine weitere Anlaufstelle, nicht nur für Stotternde, ist die Psychologische Beratung der TU Berlin. Das therapeutisch ausgebildete Team aus zwei Psychologinnen und einem Psychologen hilft bei den unterschiedlichsten Sorgen und Problemen im Studienalltag und leitet Ratsuchende bei Bedarf an spezialisierte Beratungsstellen und Therapeuten weiter. Patrick Chmiela und die „Flow“-Gruppe würden sich freuen, wenn mehr Stotternde solche Hilfsangebote in Anspruch nähmen: „Junge Stotternde, genauso wie interessierte Nichtstotternde, sind uns jederzeit herzlich willkommen!“ Auch wer erst einmal nicht sprechen will, kann kommen – „Oft hilft es schon, einfach nur zuzuhören.“

www.flow-sprechgruppe.de

Jennifer Algner / Quelle: Hochschulzeitung "TU intern", 10/2013

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