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TU Berlin

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Hochschulpolitik

Offener Brief an Landesbischof Markus Dröge von der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz

Donnerstag, 10. März 2016

In der Ausgabe der Berliner Zeitung „B.Z.“ kritisiert Markus Dröge, Landesbischof der evangelischen Kirche Berlin, die Schließung von Gebetsräumen an der TU Berlin. Um den Standpunkt der TU Berlin zu verdeutlichen, antwortete TU-Präsident Christian Thomsen mit einem Offenen Brief:
 

Offener Brief an Landesbischof Markus Dröge von der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz

Sehr geehrter Herr Bischof,

ich möchte Ihnen meine Position erläutern, die sich auch auf Ihre Wortmeldung in der Zeitung „B.Z.“ vom 10. März 2016 bezieht.

In der Tat ist es so, dass die TU Berlin ab 14. März 2016 keine Räumlichkeiten mehr für die Ausübung des Freitagsgebetes mit einem vortragenden Imam und die Verrichtung des täglichen Gebetes von Muslimen bereit hält. Am Freitagsgebet, das bei uns in einer Turnhalle zwischen der Yoga-Gruppe und einem Hip-Hop-Kurs stattfindet, haben regelmäßig mehr als 500 Männer teilgenommen, in den kleinen islamischen Gebetsraum kamen täglich mehr als 100 Männer. Allein vom Versammlungsrecht und dem Brandschutz her dürfen diese Räume von so vielen Personen nicht genutzt werden. Dies ändern wir nun.

Mit unserer Entscheidung beenden wir aber auch die Bevorzugung einer Religion und kommen so unserem Neutralitätsgebot als staatliche Hochschule nach. Schließlich finden auch keine katholischen Messen und evangelischen Gottesdienste an unserer Universität statt. Gegen die Ausübung des individuellen Gebets, egal welcher Konfession die Betende oder der Betende angehört, haben wir nichts einzuwenden und hindern keinen daran. Dies habe ich mehrfach öffentlich betont. Das wird seit Jahren und Jahrzehnten an unserer Universität auch praktiziert. Nichtsdestotrotz muss sichergestellt sein, dass dies nicht den Universitätsbetrieb behindert. Damit geht einher, dass uns die Diversität all unserer Mitglieder in Bezug auf Herkunft, Kultur, Geschlecht und Religion sehr wichtig ist. Wir sind in Deutschland eine der Universitäten mit dem höchsten Anteil an ausländischen Studierenden. Diese heißen wir willkommen. Wir fördern und integrieren ihre Vielfalt, die sie mit nach Berlin bringen und uns bereichert. So war die TU Berlin eine der ersten Universitäten, die bereits 2015 ein erfolgreiches Programm für Geflüchtete auflegte.

All das sind Aspekte, die unseren Charakter prägen. Unseren Charakter prägen aber keine Freitagsgebete. Eine Universität ist kein Ersatz für eine Moschee, sondern ein weltanschaulich neutraler und unparteiischer Ort, an dem der wissenschaftliche Diskurs im Mittelpunkt steht. In Berlin gibt es rund 400 Kirchen, 8 Synagogen sowie 130 Moscheen und Versammlungsräume. Ich rufe alle Gläubigen dazu auf, diese Orte, die für die Religionsausübung mit ihren bestimmten Ritualen viel besser geeignet sind, als eine Turnhalle (!) oder ein kleiner Uni-Raum, aktiv zu nutzen. Dafür sind sie da und gehören zu unserem gesellschaftlichen Leben. Einige unserer muslimischen Studierenden sind in Vereinen organisiert. Auch diese könnten Räume in Campusnähe mieten und diese entsprechend bereithalten, damit die Vereinbarung von Studium und privater Religionsausübung praktisch und schnell organsiert werden kann.    

Ich will heute nicht ausschließen, dass wir in ein paar Jahren über ein Konzept für ein un- oder überkonfessionellen Raum  oder auch einen Ruhe- und Rückzugsraum nachdenken. Zum aktuellen Zeitpunkt ist das aber keine Option für uns. Solch ein Konzept braucht Diskussion und die Zustimmung Vieler in der demokratisch organisierten Universität. Dabei wird das Thema Religion ein Aspekt unter vielen sein. Und wir müssen uns auch die Erfahrungen anderer Universitäten mit „Räumen der Stille“ genau anschauen, damit solch ein Konzept nicht von vornherein zum Scheitern verurteilt ist.

Sie schreiben, dass eine Bildungseinrichtung Raum und Gelegenheit für die Religionsausübung geben muss. Die Gelegenheit zur individuellen Religionsausübung hat bei uns jeder und das werden wir nicht einschränken. Geeignete Räumlichkeiten für 600 muslimische Gläubige können und wollen wir als Technische Universität nicht vorhalten. Diesen Auftrag haben wir nicht und dafür sind andere in unserer Gesellschaft – auch im öffentlichen Raum – verantwortlich. Wir sind für eine sehr gute Bildung verantwortlich.  

Sehr geehrter Landesbischof, ich hoffe, dass ich Ihnen unsere Beweggründe erklären konnte, denn uns geht es bei unserer Entscheidung nicht nur um die Abschaffung von Gebetsräumen und, wie Sie schreiben, um den „laizistischen Versuch, Religionsausübung ins Private abzudrängen“.

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. Christian Thomsen
Präsident der Technischen Universität Berlin

 

Lesen Sie auch: Ab März keine Gebetsräume mehr an der TU Berlin - Info-Brief "Offene Universität - Neues aus dem Präsidium" / Nr. 7 · Februar 2016


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