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TU Berlin

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Hochschulpolitik

Ab März keine Gebetsräume mehr an der TU Berlin

Freitag, 26. Februar 2016

Info-Brief "Offene Universität - Neues aus dem Präsidium" / Nr. 7 · Februar 2016

Sehr geehrte Mitglieder unserer Universität,

wie Sie bereits seit 12.2.2016 unserer Homepage www.tu-berlin.de und auch der Februar-Ausgabe der Hochschulzeitung „TU intern“ entnehmen können, hat das Präsidium im Januar 2016 den Entschluss gefasst, zwei TU-Räume im Hauptgebäude ab 14. März 2016 nicht mehr für die Ausübung des Freitagsgebetes und die Versammlung zum täglichen Gebet zur Verfügung zu stellen.

Die TU Berlin ist eine aus Steuermitteln finanzierte, öffentlich-rechtliche, also staatliche Einrichtung, die in Bezug auf Konfession, Religion und Glaubensrichtung gemäß Artikel 3 des Grundgesetzes der Bundesrepublik zur Neutralität verpflichtet ist.

Diese Neutralität sowie der Grundsatz der Trennung von Staat und Kirche haben uns zu dem Entschluss geleitet, künftig unsere Räumlichkeiten für die aktive Religionsausübung, zu denen Gottesdienste, Messen oder das Freitagsgebet gehören, nicht mehr zur Verfügung zu stellen. Ebenso werden wir nicht mehr TU-Räume und TU-Flächen vermieten oder kostenfrei öffnen, in denen sich Gruppen zum Gebet oder zum religiösen Ritual etc. versammeln wollen. Dies gehört nicht zum Aufgabenspektrum einer Universität. Eine staatliche Universität ist ein weltanschaulich neutraler und unparteiischer Ort, an dem der wissenschaftliche Diskurs im Mittelpunkt steht. Er ist kein Ort für die Religionsausübung. Das heißt, dass es nicht Aufgabe einer staatliche Universität als Organisation ist, einen Gottesdienst, eine Messe oder ein Freitagsgebet mit Imam auf ihrem Campus zu ermöglichen. Es geht uns dabei um die Rolle unserer Organisation. Wir meinen damit nicht, dass sich Religion ausschließlich in das Private zurückziehen soll. Das ist nicht unsere Intention.

Nichtsdestotrotz kennen und akzeptieren wir die kulturelle und religiöse Vielfalt unserer zahlreichen Mitglieder. Diese Diversität auf unserem Campus ist uns sehr wichtig, wir begrüßen und fördern sie. Das heißt unter anderem, dass es dem Einzelnen frei steht, individuell seiner Religion, beispielsweise im Einzelgebet, zu folgen. Das ist keine Neuerung, sondern wird bereits seit vielen Jahren bzw. Jahrzehnten so in unserer Universität verteilt auf viele Orte praktiziert. Es steht dem Einzelnen auch frei, Religionshäuser außerhalb des TU-Campus zu nutzen. Berlin ist die Stadt der kulturellen und damit auch religiösen Freiheit. Zahlreiche Angebote für viele Religionsgemeinschaften gibt es auch im näheren Umfeld der Technischen Universität Berlin und unsere flexibel gestalteten Arbeitszeiten für TU-Mitarbeiterinnen und TU-Mitarbeiter erlauben deren Wahrnehmung. Auch Personen, die nicht Mitglied der TU Berlin sind und unsere Räume als Ort ihrer Religionsausübung bislang genutzt haben, werden andere Möglichkeiten in Berlin finden, um beispielsweise am Freitagsgebet teilnehmen zu können. Auch die Studierenden, die ihrer Religion folgen wollen, können dies individuell tun.

Im Vorfeld unserer Entscheidung führten wir zahlreiche und sehr intensive Gespräche mit vielen TU-Mitgliedern und auch externen Personen. Wir haben uns die Meinungen und Argumente genau angehört und uns die Entscheidung nicht leicht gemacht. In allen Gesprächen wurde uns Unterstützung und Zustimmung signalisiert. Auch haben wir frühzeitig das Gespräch mit dem Organisator des Freitagsgebetes an der TU Berlin geführt, der als unser Ansprechpartner fungierte. Wir erläuterten ihm unsere Beweggründe und unsere Entscheidung im Detail. Dieses Gespräch fand in der letzten Januarwoche statt. Uns war es auch wichtig, einen ausreichenden Zeitrahmen für die Umsetzung unserer Entscheidung anzubieten, so dass sowohl wir als auch der Organisator des Freitagsgebetes die betroffenen Personen informieren konnte. Das zeigt, dass uns ein fairer Umgang im Gegensatz zu einem unüberlegten ad-hoc-Handeln sehr wichtig ist. 

Betonen möchte ich, dass wir unsere Entscheidung nicht aufgrund von aktuellen Vorkommnissen oder Beschwerden aus der Universität getroffen haben. Das ist mir wichtig mitzuteilen, da einige Medienvertreter immer wieder danach fragen und es in der Tat aktuell an anderen Universitäten Vorfälle gibt, die zur Schließung von Gebetsräumen bzw. Räumen der Stille führten. So an der TU Dortmund.

Im Zusammenhang mit unserer Entscheidung sind natürlich auch Ängste aus der Universität heraus an uns herangetragen worden.

So betrifft es diejenigen Personen, die bis dato die Nutzerinnen oder Nutzer dieser Räumlichkeiten waren. Ich kann ihre Bedenken nachvollziehen, auch, dass die Entscheidung negative Assoziationen hervorruft in Zeiten, in denen Europa sowie der Nahe und Mittlere Osten sich in einer sehr bewegten Zeit befinden. Ich möchte noch einmal manifestieren, dass wir weder die Ausgrenzung einer bestimmten Gruppe noch einer Religion im Sinn haben. Das sind nicht unsere Beweggründe. Wir wollen Neutralität und die Trennung von Staat und Kirche auf unserem Campus. Diese Neutralität garantiert uns die Offenheit unserer Einrichtung für alle aktuellen und künftigen Mitglieder, egal, aus welchem Kulturkreis sie kommen, welcher Religion sie privat nachgehen oder welches Geschlecht sie haben. Diese Diversität ist uns wichtig. Mit unserer Entscheidung untermauern wir das.

Es gibt aber auch Ängste bei denjenigen TU-Mitgliedern, die nicht den Gebetsraum oder das Freitagsgebet wahrnehmen. Sie befürchten negative Reaktionen und Proteste aufgrund der Entscheidung. Ich hoffe, dass diese Befürchtungen nicht wahr werden. Ich appelliere an alle, Toleranz zu üben, die Entscheidung zu akzeptieren und den jeweils anderen zu achten. Jede Einzelne, jeder Einzelne ist für ein gutes Miteinander, für eine aufgeschlossene Arbeits-, Lern- und Forschungsatmosphäre auf unserem Campus mit verantwortlich.

Ich bitte um Ihre Unterstützung. Vielen Dank!

Prof. Dr. Christian Thomsen
Präsident der TU Berlin 

 

Lesen Sie auch: Offener Brief an Landesbischof Markus Dröge von der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz


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