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TU Berlin

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Forschung

Der Kampf gegen Hitzestress in der Stadt

Montag, 27. Juli 2015

Wie Klimatologen, Ingenieure, Ärzte und Stadtplaner zusammenarbeiten

Lupe

Zahlreiche Menschen sterben jährlich während sommerlicher Hitzeepisoden – zusätzlich zu den „normalen“ Todesfällen. „Gerade ältere und kranke Menschen können den erhöhten Sommertemperaturen, die sich in der Stadt auch nachts oft nicht wesentlich abkühlen, nicht entfliehen“, erklärt Prof. Dr. Dieter Scherer vom Fachgebiet Klimatologie im Institut für Ökologie der TU Berlin. „In diesen städtischen ,Wärmeinseln‘ liegen die Temperaturen nachts um bis zu zehn Grad höher als im ländlichen Bereich.“ Wie das Stadtklima in Berlin Hitzestress verursacht, untersucht die DFG-Forschergruppe „Stadtklima und Hitzestress“, die Dieter Scherer leitet.

„Unter Hitzestress verstehen wir Symptome, die messbar sind, zum Beispiel Konzentrationsstörungen, Verlust der Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz sowie bestimmte Krankheiten bis hin zum Tod“, erläutert der Klimatologe Dieter Scherer, der Zusammenhänge rund um Klimaphänomene seit Jahren erforscht. Untersuchungen zum Klimawandel lassen vermuten, dass die Temperaturen innerhalb des kommenden Jahrhunderts um zwei oder sogar drei Grad ansteigen. Umso dringlicher sind verlässliche Messdaten nötig, die mögliche Auswirkungen auch auf die menschliche Gesundheit nachweisen. „Urban Climate and Heat Stress in mid-latitude cities in view of climate change “ (UCaHS) heißt die Forschergruppe mit vollem Namen. Klimatologen, Stadtgeografen, Hydrologen, Mediziner, Ingenieure, Bauphysiker, Architekten, Stadt- und Landschaftsplaner sowie Politik- und Sozialwissenschaftler untersuchen hier interdisziplinär die Auswirkungen des heutigen und zukünftigen Klimas am Beispiel von Berlin. Insbesondere stehen die Risiken zunehmender Wärmebelastung für den Menschen im Fokus sowie die verschiedenen Möglichkeiten zur Minderung und Anpassung. All diesen Disziplinen stellt das Fachgebiet von Dieter Scherer über mehrere Jahre Wetterdaten aus ganzjährigen stündlichen Messungen sowie detaillierte Stadtklimadaten zur Verfügung. Daraus werden Energiebedarfe für Heizen und Kühlen errechnet, der Bedarf an Stadtgrün und vieles andere mehr. Auf Basis dieser Daten können gebäudetechnische und stadtplanerische Maßnahmen erprobt werden, wie beispielsweise die Hitzeeffekte und Kühlmöglichkeiten von Glasfassaden oder die verstärkte Integration von Grünflächen in die Stadtentwicklung. „Wir müssen die Ökosystemleistungen, die zum Beispiel von vielen über das Stadtgebiet verstreuten Grünflächen erbracht werden, bei der Stadtplanung mitdenken“, so Dieter Scherer. „Hier sind wissenschaftliche Daten dringend erforderlich, denn der Druck zur Nachverdichtung der Siedlungen wächst aufgrund des Wohnraummangels, und zur Klimatisierung muss vorhandenes Grün erhalten bleiben beziehungsweise neue Kühlinseln müssen mit eingebracht werden.“ Eine komplizierte Messstation auf dem Dach des TU-Hauptgebäudes sammelt daher seit rund einem Jahr Daten zu den Energieaustauschprozessen zwischen der Stadtoberfläche und der urbanen Atmosphäre, denn die größere Wärmespeicherkapazität der Stadt sei eine zentrale Ursache der Wärmeinsel „Stadt“.

Aber auch Maßnahmen zur Verbesserung des Klimas von Innenräumen bei besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen wie chronisch kranken Menschen gehören zum Projekt. Eine Gruppe um Prof. Dr. Christian Witt, Chefarzt der Lungenfachabteilung an der Charité – Universitätsmedizin, identifiziert bioklimatologisch-medizinische Parameter, die vor allem bei lungenkranken Patienten hitzebedingt auftreten. Untersucht werden Patienten mit chronisch obstruktiver Lungenkrankheit (COPD) sowohl in ihrer häuslichen Umgebung als auch im Krankenhaus. In Kliniken gibt es kaum klimatisierte Patientenzimmer – sowohl zum Schutz vor Keimen als auch aus Kostengründen. Professor Scherer testet daher zusammen mit Professor Witt in zwei Krankenzimmern der Berliner Charité die Klimatisierung mittels Strahlungskälte. Durch Kühlmatten in den Wänden und Decken fließt ein Kühlmittel. Die damit klimatisierte Luft ist trocken, staubfrei und enthält keine Bakterien. „Spannend an diesem Projekt ist auch die interdisziplinäre Zusammenarbeit“, so Dieter Scherer. „Umweltmedizinische Untersuchungen sind meist Sache der medizinischen Forschung. Hier laufen sie in enger Abstimmung mit der Klimatologie, mit Architekten, Gebäudetechnikern und anderen beteiligten Disziplinen.“ Und tatsächlich darf man bereits Hoffnung schöpfen. Erste Ergebnisse zeigen, dass die Verweildauer im Krankenhaus bei konstanten Temperaturen verkürzt werden konnte, dass die Kranken also schneller gesunden.

www.tu-berlin.de/?id=128519

Patricia Pätzold "TU intern" Juli 2015

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