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TU Berlin

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Menschen

Wenig Wissen über den Wohnungsmarkt

Freitag, 21. Juni 2013

Kristin Wellner lehrt Immobilienwirtschaft, ein kaum erforschtes Gebiet

Wohnen sei ein Grundrecht, sagt Kristin Wellner. Sie sieht den Staat in der Pflicht zur Regulierung
Lupe

Alles produziere der Kapitalismus im Überfluss – Autos, Weißbrote, Zahnpasta –, schrieb unlängst ein Redakteur der Wochenzeitschrift „Die Zeit“. Nur Wohnungen seien Mangelware. Warum das so ist, soll Kristin Wellner beantworten. Die Frage trifft einen wichtigen Bereich ihrer Lehre und Forschung.

Wellner ist neu berufene Professorin für das Fachgebiet Planungs- und Bauökonomie/Immobilienwirtschaft am Institut für Architektur, wobei ihr Fokus auf der Immobilienwirtschaft liegt. Wohnungen seien eben keine freie Ware wie Autos, so Wellner, sondern würden durch Staat und Kommune als soziales Gut geschützt, und der Wohnungsmarkt werde durch das Mietrecht und Mieterhöhungsregularien beeinflusst. Das verhagle oft dem Investor die Aussicht auf Rendite und deshalb fehle es an Wohnungen. Ob das Problem sich löse, wenn die Ware Wohnung dem freien Markt ausgesetzt würde? „Schwierige Frage“, sage Kristin Wellner. Es gebe Leute, die diese Position vertreten. Sie aber gehört nicht dazu. Der Staat müsse sich seiner Verantwortung bewusst sein, dass Wohnen ein Grundrecht ist. Dafür müsse er die passenden Instrumente und Regularien bereitstellen, ohne zu sehr in den Markt einzugreifen und Personen zu fördern, die dies gar nicht nötig haben. Hier sieht Wellner enormen Forschungsbedarf. Denn fehlende Wohnungen in Ballungsräumen sind nur eine Seite der Medaille. Vielmehr ist der Wohnungsmarkt in Deutschland derzeit polarisiert: einerseits ein Überangebot und kaum Nachfrage nach Wohnungen trotz niedriger Mieten in ländlichen Regionen, andererseits extremer Mangel an bezahlbarem Wohnraum in Städten wie Berlin, Hamburg, Frankfurt/Main, München. Die Wissenschaftlerin, die in Leipzig Betriebs- und Volkswirtschaftslehre studierte und vor ihrer Berufung an die TU Berlin Juniorprofessorin für Immobilienökonomie an der Bauhaus-Universität in Weimar war, erklärt, der Wohnungsmarkt sei ein fragiles System, das in seiner Komplexität schwer überschaubar ist. Von daher ist es ein Eldorado für ihre Lehre und Forschung. „Wenn man an einer Stelle eingreift, verschiebt sich das ganze System. Das ist wie bei der Statik eines Hauses“, so Wellner. Nur wisse man über den Wohnungsmarkt sehr viel weniger als über die Statik. Der besagte Mangel sei auch eine Folge der zu starken Förderung in den 1990er-Jahren, als mit dem Programm „Aufbau Ost“ Millionen in die Sanierung der heruntergekommenen Städte und den Neubau von Wohnungen investiert wurden. Durch Abwanderung und demografischen Wandel habe es aber bald ein Überangebot gegeben. Nicht im Blick hatte die Politik zudem, dass der Bevölkerungsrückgang sich territorial sehr unterschiedlich auswirkt. Ein weiterer Grund für den Wohnungsmangel in den Großstädten sei die Finanzkrise, die Wohnungen als Investitions- und Spekulationsgut begehrenswert gemacht habe, als alternative, sichere Anlage, erläutert Wellner.

Um die Komplexität des Immobilienmarktes zu verstehen, bedarf es interdisziplinärer Forschung. Deshalb plant Kristin Wellner zusammen mit Prof. Dr. Sybille Frank ein Projekt zum Berliner Wohnungsmarkt: Die Ökonomin und die Soziologin der TU Berlin wollen untersuchen, ob der Tourismus, als ein Teil der Gentrifizierung, dazu führt, dass in Berlin die Mieten steigen.

Sybille Nitsche / Quelle: Hochschulzeitung "TU intern", 6/2013

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