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TU Berlin

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Internationales

Schutzräume für kulturelle Bildung

Montag, 19. April 2010

TU-Psychologen geben der UNO Empfehlungen zur Erhaltung von Minderheitenkulturen

TU-Vertreter bei der UNO in GEnf im Sommer 2009
Lupe

"Indigenous peoples have the right to establish and control their educational systems and institutions providing education in their own languages, in a manner appropriate to their cultural methods of teaching and learning." So steht es seit 2007 in Artikel 14 einer Erklärung der Vereinten Nationen, der "UN-Declaration on the Rights of Indigenous Peoples". Sie bildet einen Zusatz zur Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. "Die Erklärung zu erarbeiten und für die Verabschiedung durch die UN-Vollversammlung zu sorgen war schon ein Kraftakt", erklärt Dr. Arnold Groh. "Sie mit Inhalt zu füllen und ihre Einhaltung und Anwendung zu überwachen wird jedoch nochmals eine außerordentliche Herausforderung."

Der TU-Psychologe war 1999–2006 an der Entstehung der "Erklärung der Indigenenrechte" beteiligt. Er ist Diplompsychologe und leitet die Arbeitsstelle Structural Analysis of Cultural Systems (S. A. C. S.) an der TU Berlin, die sich mit Fragen der Kulturpsychologie beschäftigt, wie den folgenden: Welchen Einfluss hat das Handy auf indigene Sozialstrukturen? Gibt es kulturspezifische Unterschiede in der Wahrnehmung von Farben oder Gerüchen? Oder wie verändert das Auftreten von Touristen die kulturelle Entwicklung einer indigenen Bevölkerung? Dafür werden Daten weltweit und besonders in Drittweltländern in Afrika und Asien erhoben. Auch Studierende werden von S. A. C. S. in indigenenbezogener kulturpsychologischer Forschung ausgebildet. Jährlich nimmt Arnold Groh zum Beispiel Studierende zu einer UNO-Sitzung in Genf mit, um ihnen Einblicke in interkulturelles Arbeiten zu ermöglichen – zum Beispiel zur Sitzung des Gremiums, das nun über die Einhaltung der Indigenenrechte wachen und Studien zur Situation der kulturellen Minderheiten durchführen soll und an dem auf Grohs Intervention auch Wissenschaftler beteiligt sind, dem "Expert Mechanism on the Rights of Indigenous Peoples" (EMRIP). Dort stellte kürzlich die Gruppe um den Kulturpsychologen einige Projekte zur Indigenenforschung aus der TU-Arbeitsstelle vor. "Wie ernst das Gremium unsere Forschungen nahm, erkennt man daran, dass wir 90 Minuten für eine eigene Präsentation erhielten, obwohl die maximale Redezeit in der eigentlichen Sitzung nur fünf Minuten beträgt", erzählt Arnold Groh. Die TU-Psychologen erläuterten, dass es nicht ausreicht, eine spezifisch kulturelle Ausbildung zusätzlich anzubieten, wenn man eine bestimmte Kultur erhalten will. Es gebe einen Automatismus, der eine Minderheitskultur leicht die Verhaltensweisen und Werte einer dominierenden Kultur annehmen lässt, was der dominierenden Kultur wiederum den Eindruck ihrer eigenen Überlegenheit vermittelt. So sei es angeraten, lautete die Empfehlung der Wissenschaftler, Schutzräume zu schaffen, in denen insbesondere Kinder, die außerhalb ihrer Gemeinschaften lebten – zum Beispiel in Städten –, ungestört und von ihrer Ursprungskultur umgeben seien. Nur so könnten sie eine kulturelle Identität bilden. Gleichzeitig müsse der dominierenden Kultur eine allgemeine Akzeptanz der Andersartigkeit der anderen abgerungen werden. "Es bleibt also noch viel zu tun", so Arnold Groh. "Wir waren übrigens die einzige ,normale‘ Universität, die einen Beitrag eingereicht hatte", so Arnold Groh. "Die meisten kamen von sogenannten ,indigenous universities‘. Dieses mangelnde Engagement der Universitäten weltweit in diesen Menschenrechtsfragen empfinde ich als etwas befremdlich."

Patricia Pätzold / Quelle: "TU intern", 4/2010

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