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TU Berlin

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Internationales

Grenzen des Tourismus

Montag, 14. Juli 2008

Wie man indigenen Bevölkerungsgruppen begegnet, ohne sie zu zerstören

Von den rund 7000 Kulturen der Welt sind laut Worldwatch Institute etwa 2000 akut bedroht. Sie sind bedroht unter anderem durch Touristenströme, die in Afrika oder Südamerika Elemente ihrer Kulturen wie Zigaretten, Alkohol oder für den Lebensraum unangemessene Kleidung einschleppen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass das oft binnen Kurzem zur Verwandlung vormals intakter Dörfer zu Slums führt, die dann wiederum für Touristen uninteressant sind. Ihre ursprüngliche Kultur finden die Menschen aber nicht wieder. Die TU-Arbeitsstelle "Structural Analysis of Cultural Systems" unter Leitung von Dr. Arnold Groh, der unter anderem an der Entstehung einer Erklärung der Vereinten Nationen über die Rechte indigener Gruppen (United Nations Declaration on the Rights of Indigenous Peoples) beteiligt war, hat deshalb im Frühjahr in Kamerun am Lobé-Fluss ein "Tour-Info-Projekt" gestartet.

"Die Begegnungen müssen minimal-invasiv stattfinden", sagt Psychologe Dr. Arnold Groh. "Man hat sich beim Besuch weitgehend zu integrieren, Selbstdarstellung zu vermeiden. Ansonsten passen sich die Indigenen wegen eines vorhandenen Dominanz-Gefälles an, werten ihre eigene Kultur ab, streben nach der Globalkultur als der vermeintlich höheren und übernehmen Elemente der Besucherkultur."

Am Lobé-Fluss gibt es mehrere Camps der Bagyeli-Pygmäen, von denen das nächsterreichbare häufig von Touristen frequentiert wird. Das hat bereits zu den bekannten Folgen geführt. Die Einwohner rauchen, trinken, tragen schmutzige, kaputte Kleidung, vernachlässigen ihre eigene Kultur. Das Tour-Info-Projekt setzt bei den Führern an, die die Touristen aufklären und dann einteilen in Gruppen, die sich am traditionellen Erscheinungsbild der Indigenen orientieren beziehungsweise sich minimalinvasiv verhalten wollen - und dann auch zu weiter entfernten Dörfern geführt werden -, und solchen, die dazu nicht bereit sind. Diese kommen nur bis ins erste Camp. Eine solche Grenzziehung verspreche, so Groh, zumindest die destabilisierenden Faktoren, die aus den Begegnungen resultieren, zu reduzieren.

Patricia Pätzold / Quelle: "TU intern", 7/2008

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