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TU Berlin

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Innenansichten

Zuckerliteratur und Nazi-Raubgut

Montag, 19. November 2012

Mit zwei neuen Drittmittelprojekten erforscht die Universitätsbibliothek ihre Geschichte

Lupe

Kaum jemand weiß, dass die Universitätsbibliothek der TU Berlin etwa 35 000 Bücher und Zeitschriftenbände zur Zuckertechnologie, Zuckerchemie und Zuckerindustrie besitzt, eine in dieser Größenordnung einmalige Sammlung. Von den knapp 300 darin enthaltenen „Rara“, also besonders alten, seltenen oder wertvollen Büchern, sind 50 so geschädigt, dass eine Nutzung zurzeit nicht mehr oder nur unter besonderen Auflagen möglich ist. Hier setzt das Projekt „Stabilisierung und Restaurierung von Rara der ,Zucker-Sammlung’“ an, mit dem sich die Universitätsbibliothek erfolgreich an der Ausschreibung „Nationales Erbe allein auf weiter Flur – Schutz im Verbund“ der „Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts“ (KEK) beteiligt hat. Ein weiteres Projekt befasst sich mit der Erforschung von Raubgut aus der Nazizeit.

Finanziert wird das KEK-Projekt von Kulturstaatsminister Bernd Neumann und der Kulturstiftung der Länder. Dafür stehen 7500 Euro zur Verfügung, die Universitätsbibliothek bringt noch einmal denselben Betrag ein. Während die Digitalisierung von Literatur seit vielen Jahren unter anderem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wird, soll die KEK, die letztes Jahr an der Staatsbibliothek zu Berlin eingerichtet wurde, das Bewusstsein für den Wert der Originale schärfen und bundesweit deren Erhaltung und Schutz an deutschen Archiven und Bibliotheken unterstützen.

Das Projekt – „Untersuchung der 1945 aus der ehemaligen Luftkriegsakademie Gatow an die UB der TU Berlin übernommenen Bücher und Zeitschriften auf NS-Raubgut“ – gilt der Aufarbeitung des durch die Nationalsozialisten begangenen Unrechts. Zwischen 1933 und 1945 waren Millionen von Menschen, Vereinigungen und Institutionen Verfolgungen aus rassischen, politischen, religiösen oder weltanschaulichen Gründen ausgesetzt. Durch Zwangsverkäufe, Enteignungen und andere Maßnahmen entzogen ihnen staatliche Stellen ihre Vermögen, zu denen auch viele Bücher gehörten.

In den von der Wehrmacht besetzten Gebieten wurden außerdem durch speziell dafür eingerichtete Verwaltungsstellen ganze Bibliotheken beschlagnahmt und die Bücher waggonweise in das Deutsche Reich transferiert. Dieses entzogene Kulturgut aus Verfolgungen und Besetzungen wurde in Deutschland „verwertet“: von den Finanzämtern auf Auktionen verkauft, aber auch in großem Maßstab deutschen öffentlichen wie auch wissenschaftlichen Bibliotheken überlassen. Es ist als sicher anzunehmen, dass die Bibliothek der ehemaligen Technischen Hochschule Berlin, der Vorgängereinrichtung der TU Berlin, davon profitiert hat. Weil aber fast ihr gesamter Bestand durch Kriegseinwirkungen verloren ging, war man bisher der Überzeugung, dass sich im heutigen Bestand der Universitätsbibliothek kein NS-Raubgut befindet. Inzwischen ist man sich an der Universitätsbibliothek jedoch bewusst, dass im Rahmen des Wiederaufbaus die Bücher, die ihren Eigentümern unrechtmäßig entzogen wurden, auch noch nach 1945 in den Bestand eingearbeitet worden sein können. Um dies zu erforschen, warb die Universitätsbibliothek nun erfolgreich eine einjährige Förderung bei der speziell für solche Untersuchungen in Deutschland eingerichteten Arbeitsstelle für Provenienzrecherche/-forschung ein. Inklusive Eigenmitteln in Höhe von 24 000 Euro stehen im ersten Jahr fast 90 000 Euro zur Verfügung, eine Option auf Verlängerung besteht ebenfalls. Unter anderem soll eine Wissenschaftlerin oder ein Wissenschaftler eingestellt werden, die oder der mit Unterstützung des Bibliotheksteams systematische Recherchen nach der Herkunft der Bücher und Zeitschriften aus der ehemaligen Luftkriegsakademie Gatow durchführt.

Über das Thema „NS-Raubgut und Restitution“ informiert die offizielle deutsche Datenbank zur Dokumentation von Raub- und Beutekunst „LostArt“.

www.lostart.de

Dr. Angelika von Knobelsdorff, Universitätsbibliothek TU Berlin / Quelle: Hochschulzeitung "TU intern", 11/2012

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