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TU Berlin

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Perspektiven auf die Globalgeschichte(n) von Kulturgutverlagerungen

Montag, 02. Dezember 2019

Medieninformation Nr. 238/2019

Der aus den Mitteln des Leibniz-Preises finanzierte TU-Forschungscluster translocations bei Prof. Dr. Bénédicte Savoy lädt zur internationalen Konferenz vom 5. bis 7. Dezember 2019

„Beutekunst, Kunstraub, wissenschaftliche Razzien, Trophäenkunst, Restitutionen, großangelegte Ankaufskampagnen, Sammlungs- und Museumsgeschichte – Translokationsforschung ist die historische Auseinandersetzung mit Formen und Folgen von Kulturgutverlagerungen seit der Antike. Sie ergänzt und vertieft die Provenienzforschung, die in den letzten Jahren vermehrt ins öffentliche Bewusstsein gerückt ist“, umreißt Prof. Dr. Bénédicte Savoy den Forschungsinhalt und die Aufgabe, der sich die Wissenschaftler*innen um sie im Forschungscluster translocations widmen. Dieser wird aus den Mitteln des Leibniz-Preises finanziert, den Bénédicte Savoy 2016 bekommen hat.

Zum Beginn des dritten und letzten Projektjahres von translocations lädt das Forscher*innenteam vom 5. bis 7. Dezember 2019 in das Fakultätsforum im Architekturgebäude der Technischen Universität Berlin ein, um gemeinsam mit 20 internationalen Experten*innen aus Europa, Afrika und den Amerikas anhand jüngster Forschungsergebnisse den Blick auf die Phänomene des Entnehmens und Aneignens von Kulturgütern zu schärfen, mit all den damit verbundenen Sinnsetzungen, Traumata, Diskursen, Techniken und Repräsentationen.

„Ich bin unheimlich gespannt auf die multiperspektivischen Vortragsnarrative der internationalen Kolleg*innen, die aus unterschiedlichen Fachdisziplinen kommen, an Universitäten und in Museen forschen und aus den Amerikas, Teilen Afrikas, Europa und Deutschland nach Berlin anreisen, um gemeinsam mit uns über Translokationsforschung nachzudenken“, so Merten Lagatz, Projektkoordinator translocations.

Medienvertreter*innen sind herzlich zur Konferenz „Translocations. Historical Enquiries into the Displacement of Cultural Assets“ eingeladen:
Zeit:
5. Dezember, 14.00 Uhr, bis 7. Dezember 2019, 13.30 Uhr
Ort:
TU Berlin, Straße des 17. Juni 150/152, 10623 Berlin, Fakultätsforum im Architekturgebäude

Die Veranstaltung findet in englischer Sprache statt. Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, aber die Platzzahl ist begrenzt.

Die Konferenz im Überblick
Der Eröffnungsvortrag von Prof. Savoy (5.12.2019, 14:30 Uhr) zeigt die historischen Schichten des Phänomens auf und gibt einen Einblick in die junge wissenschaftliche Disziplin der Translokationsforschung. Im Anschluss präsentieren die Referent*innen der ersten Sektion Translocations: Methods, Challenges and Research Structures methodologische Ansätze anhand von Fällen aus dem frühneuzeitlichen Europa, aus Südamerika und Afrika.

Am Freitagvormittag widmen sich die Vorträge der Sektion Translocations and the Production of Knowledge den Orten, Wegen, Konzepten und Akteuren der Wissensproduktion im 19. und frühen 20. Jahrhundert zwischen deutscher Ethnologie, einer britisch-indischen Sammlung und russischen Staatsmuseen. Der Nachmittag beginnt mit Positionen zu translokationsbedingten Veränderungen an den Kulturgütern selbst: Im Panel Translocation / Transformation of Object Meaning and Status reicht der zeitliche Rahmen vom 14. Jahrhundert bis 1945 und stellt Dynamiken der Beutenahme anhand von sakralen und militärischen Objekten vor. Drei Fallstudien widmen sich in der Sektion The Space Left behind – Strategies for Dealing with Loss and Absence entführten Archiven, einer Museumsgründung in Afrika und asiatischen Wandmalereien in Museen.

Die rechtlichen Aspekte von Translokationsforschung stehen am Samstagvormittag im Fokus. Die vier beschließenden Vorträge der Konferenz zeigen rechtliche und wissenschaftliche Perspektiven auf (Legal Perspectives, Developments and Frameworks) und prägen auch die um 13:00 Uhr beginnende Abschlussdiskussion der Tagung.

Die Konferenzsprache ist Englisch.

Die Wissenschaftler*innen hinter der Konferenz
Das sowohl geographisch als auch chronologisch sehr facettenreiche Tagungsprogramm wird von fünf Wissenschaftler*innen moderiert, die eng mit dem Fachgebiet und dem translocations-Cluster verbunden sind.

Prof. Dr. Meike Hopp (seit November 2019 Juniorprofessorin für Digitale Provenienzforschung am Institut für Kunstwissenschaft und Historische Urbanistik der TUB) wirkte über viele Jahre am Zentralinstitut für Kunstgeschichte in München und war u.a. Teil der Taskforce Schwabinger Kunstfund, die mit der umfassenden Prüfung und Aufarbeitung des 2010 in der Wohnung des Kunsthändlers Cornelius Gurlitt gefundenen Konvoluts an Kunstwerken betraut worden ist.

Dr. Christine Howald (seit November 2019 Staatliche Museen zu Berlin / Zentralarchiv und Museum für Asiatische Kunst) etablierte, nachdem sie mehrere Jahre in China geforscht hat, ihren Forschungsschwerpunkt in der Aufarbeitung des europäischen Kunstmarkts ostasiatischer Objekte und betreute den Forschungsbereich Provenienzforschung am Fachgebiet Kunstgeschichte der Moderne.
Die Kulturwissenschaftlerin Dr. Mareike Vennen stellte im letzten Jahr die Ergebnisse des translocations assoziierten Forschungsprojektes Dinosaurier in Berlin vor. Im BMBF geförderten Verbundvorhaben der HU, des Naturkundemuseums und der TUB forschte sie gemeinsam mit Dr. Holger Stoecker und Dr. Ina Heumann zum Berliner Brachiosaurus Brancai, einem zentralen Sammlungsstück des Berliner Naturkundemuseums, das zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts im Rahmen der Tendaguru-Expedition aus dem Staatsgebiet des heutigen Tansania nach Berlin transloziert worden ist.

Dr. Robert Skwirblies betreut als einer der Post-Doc Fellows des Clusters die Arbeit an der in Entstehung begriffenen Textanthologie zu Translokationen und forscht im Rahmen seiner translocations Fallstudie zur Entstehung des Konzeptes Kulturerbe im Europa des 18. und 19. Jahrhunderts.

Merten Lagatz ist der Projektkoordinator von translocations und steuert die Arbeit an den Kommentaren zu historischen Bilddokumenten, dem Grundstock der zweiten im kommenden Jahr erscheinenden Anthologie der Forschungsgruppe.

Die 17 Vorträge der Konferenz werden im kommenden Herbst, gemeinsam mit den zwei Anthologien zu historischen Bild- und Textquellen publiziert und bilden den Grundstein für die Schriftenreihe translocations des Fachgebiets von Prof. Dr. Bénédicte Savoy.

Das TU-Forschungscluster translocations
Seit Herbst 2017 forscht der Projektcluster translocations unter Leitung der Kunsthistorikerin Prof. Dr. Bénédicte Savoy an der TU Berlin und dem Collège de France in Paris zu programmatischen und systematischen Verlagerungen – Translokationen – von Kulturgütern seit der Antike: Seien es staatlich organisierter Kunstraub in Kriegs- und Okkupationszeiten, Beutekunst oder der Entzug von Kulturgütern im Kolonialismus, sei es die durch den Kunsthandel beförderte Diaspora ganzer materieller Kulturen, oder ideologisch begründete Beschlagnahmungen, Verstaatlichungen und Veräußerungen privaten Eigentums. Der Cluster baut auf dem seit mehr als zehn Jahren am Fachgebiet Kunstgeschichte der Moderne etablierten Profil einer Transferforschung auf, die gleichermaßen quellenkritisch-historisch wie kulturwissenschaftlich geprägt ist. Translocations agiert in einem sich stetig wandelnden Debattenfeld: Museen, Politik, Interessengruppen und Publikum hinterfragen, verteidigen und verändern die Rolle öffentlicher und privater Sammlungen zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Die Verflechtung politischer, wissenschaftlicher und sammelnder Institutionen steht dabei im Fokus der von diesen Playern weitgehend unabhängigen Forschungsgruppe.


Das Konferenz-Programm und aktuelle Informationen zur Veranstaltung:
https://www.kuk.tu-berlin.de/?152514

Nähere Informationen über das DFG-Projektcluster „translocations“: www.translocations.net

Über das Projekt und den Leibniz-Preis: www.tu-berlin.de?189290

Translocations. Ikonographie – der Blog: https://transliconog.hypotheses.org/

rb

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern:

Merten Lagatz
TU Berlin
Institut für Kunstwissenschaft und Historische Urbanistik
Tel.: 030 314 25016

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