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TU Berlin

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Tiefgreifender Wandel der deutschen Hochschullandschaft auch in Verwaltung, Bibliotheken und Technik

Dienstag, 14. November 2017

Medieninformation Nr. 195/2017

Studie eines Berliner Forscherteams von TU Berlin und HU Berlin untersucht Situation des wissenschaftsunterstützenden Personals an deutschen Hochschulen

Bei einer gemeinsamen Veranstaltung der Kooperationsstelle Wissenschaft und Arbeitswelt in der Zentraleinrichtung Wissenschaftliche Weiterbildung und Kooperation (ZEWK) der Technischen Universität Berlin und des ver.di-Bundesfachbereichs Bildung, Wissenschaft und Forschung diskutierten am 13. November 2017 in Berlin rund 150 Teilnehmer aus Politik, Wissenschaft und Hochschulen über die Arbeits- und Beschäftigungssituation in wissenschaftsunterstützenden Bereichen.

Bei der Tagung wurde die Studie „Wandel der Arbeit in wissenschaftsunterstützenden Bereichen an Hochschulen – Hochschulreformen und Verwaltungsmodernisierung aus Sicht der Beschäftigten“ eines Forscherteams von Technischer Universität Berlin und Humboldt-Universität zu Berlin vorgestellt. „Unsere Untersuchung nimmt erstmals hochschul- und länderübergreifend eine Beschäftigtengruppe in den Blick, die bislang von der Hochschulforschung weitgehend vernachlässigt wurde“, sagt Dr. Ulf Banscherus, Leiter der Kooperationsstelle Wissenschaft und Arbeitswelt an der TU Berlin und Co-Projektleiter der Studie. Während des dreijährigen Projektes, das von der Hans-Böckler-Stiftung gefördert wurde, hat das Projektteam neben Interviews mit Experten und Beschäftigten unter anderem eine Online-Befragung durchgeführt, an der mehr als 2.500 Beschäftigte von 21 Hochschulen in zwölf Bundesländen teilgenommen hatten. Die Berliner Forscher konnten mit der Studie zeigen, dass die Expansion des deutschen Hochschulsystems, die Neugestaltung der Hochschulsteuerung und die Digitalisierung der Arbeit zu starken Veränderungen im Aufgabenprofil der Beschäftigten in wissenschaftsunterstützenden Bereichen, beispielsweise Sekretariaten, Laboren oder Bibliotheken, geführt haben. „Abhängig von ihren konkreten Aufgabenbereichen sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den Hochschulen in unterschiedlichem Ausmaß von diesen Entwicklungen betroffen und bewerten sie daher entsprechend unterschiedlich – übergreifend beobachten wir allerdings einen allgemeinen Trend zu höheren Anforderungen, sowohl quantitativ als auch qualitativ“, so Banscherus weiter.

Die Arbeitssituation von Bibliotheksbeschäftigten wird beispielsweise besonders stark von Digitalisierungsprozessen beeinflusst. Dadurch haben sich für die Beschäftigten einerseits neue, interessante Aufgabengebiete entwickelt, andererseits lösen diese Veränderungen bei ihnen aber auch Angst vor möglichen Rationalisierungsmaßnahmen aus. Angestellte in der Hochschulverwaltung bekommen hingegen vor allem die Folgen von Hochschulexpansion und Studienstrukturreform zu spüren, etwa in Form von Arbeitsverdichtung. „Mit dem Aufwuchs beim wissenschaftlichen Personal und bei den Studierenden in den vergangenen zwei Jahrzehnten ist auch die Menge an Einstellungs- und Immatrikulationsverfahren, Prüfungen und Organisationsaufgaben rapide angestiegen. Dies bedeutet für die Beschäftigten in wissenschaftsunterstützenden Bereichen einen nicht zu unterschätzenden Anstieg des Arbeitsvolumens“, erklärt Dr. Andrä Wolter, Professor für Hochschulforschung an der Humboldt-Universität zu Berlin und ebenfalls Co-Projektleiter der Studie, die Folgen der Hochschulexpansion für die untersuchte Personengruppe.
 
Neben hochschulspezifischen Reforminitiativen wie dem Bologna-Prozess und der Exzellenzinitiative haben auch Ansätze zur Modernisierung der deutschen Hochschullandschaft im Sinne des New Public Management massive Veränderungen an den Hochschulen hervorgerufen. Sowohl die Leistungen in Forschung und Lehre als auch die Verwaltungsprozesse sollten so effizienter werden und gleichzeitig an Qualität gewinnen. Bei der Umsetzung der Reformen sollten die Hochschulen aus Sicht der Forscher allerdings auch das Wissen und die Erfahrungen von Beschäftigten in wissenschaftsunterstützenden Bereichen stärker einbeziehen – und dies in einer systematischen Weise. So können beispielsweise mögliche Unstimmigkeiten bei der Gestaltung von Prüfungsordnungen oder IT-Systemen bereits im Vorfeld erkannt werden. „Die Organisationsentwicklungskonzepte der Hochschulen sollten immer Ansätze zur Personalentwicklung für alle Beschäftigtengruppen enthalten. Es ist sicher nicht leicht, die Perspektiven von Wissenschaftlern auf der einen Seite und Beschäftigten in Sekretariaten, Verwaltung und Technik auf der anderen Seite zu einem kohärenten Gesamtkonzept zusammenzubinden. Dies ist aber nötig, um so eine komplexe Organisation wie eine Hochschule wirksam reformieren zu können“, sagt Dr. Ulf Banscherus.

Insgesamt nehmen die Beschäftigten in wissenschaftsunterstützenden Bereichen eine Arbeitsintensivierung und -verdichtung sowie gestiegene inhaltliche Anforderungen wahr, sind aber dennoch überwiegend zufrieden mit ihrer beruflichen Situation. Die Untersuchung zeigt ebenfalls, dass diese Personengruppe an zentralen Stellen an der Umsetzung der Reformmaßnahmen beteiligt ist und somit in relevantem Maße zu deren Gelingen beitragen kann. „Diese wichtige Rolle der Beschäftigten in wissenschaftsunterstützenden Bereichen wird allerdings noch nicht hinreichend berücksichtigt.  Hochschulpolitik und -entwicklung täten also genauso wie die Hochschulforschung gut daran, dieser Beschäftigtengruppe eine größere Aufmerksamkeit zu widmen – sowohl im Rahmen von wissenschaftlichen Untersuchungen als auch bei der Formulierung von hochschulbezogenen Reforminitiativen“, fasst Prof. Dr. Andrä Wolter die Ergebnisse zusammen.

Link zur Studie:
http://www.boeckler.de/pdf/p_study_hbs_362.pdf

sc

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern:

Dr. Ulf Banscherus
TU Berlin
Zentraleinrichtung Wissenschaftliche Weiterbildung und Kooperation (ZEWK)
Tel.: 030 314-21181

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