direkt zum Inhalt springen

direkt zum Hauptnavigationsmenü

Sie sind hier

TU Berlin

Inhalt des Dokuments

Vermischtes

Ein europäisches Erbe

Rumänien kämpft um den Erhalt der Kirchenburgen – einige gehören zum UNESCO-Welterbe

Die restaurierte Kirchenburg von Cristian (deutsch: Großau) liegt im Kreis Sibiu in Siebenbürgen
Lupe

Über 160 Kirchenburgen gibt es in Rumänien, sie prägen die Landschaft des innerhalb des Karpatenbogens gelegenen Siebenbürgen. Ab dem 15. Jahrhundert begannen die hier ansässigen deutschstämmigen Siedler angesichts der Bedrohung durch das Osmanische Reich, die vorhandenen Kirchenbauten zu befestigen, um in Notsituationen dort Schutz zu finden. Diese Bauten wurden im Laufe der Jahrhunderte sukzessive aus- und umgebaut. So entstand eine weltweit einmalige Dichte und Vielfalt dieser Wehrbauten, die bis heute weitgehend in historischer Gestalt erhalten geblieben sind.

Obwohl sechs der siebenbürgisch-sächsischen Kirchenburgen zum UNESCO-Welterbe zählen, ist die bauliche Situation für den Großteil der Anlagen bedenklich – erst im Februar dieses Jahres stürzten zwei mittelalterliche Kirchtürme ein. Diese prekäre Lage ist vor allem auf den Wegzug der Siebenbürger Sachsen zurückzuführen, die spätestens nach der politischen Wende 1989 in großer Zahl das Land Richtung Deutschland verließen. Die Kirchen befinden sich jedoch weiterhin im Besitz der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien, die nun mit einer dramatisch reduzierten Mitgliederzahl (einige Gemeinden existieren gar nicht mehr) weiterhin für den Erhalt der Gebäude aufkommen muss. Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, neue Wege für die Erhaltung und Nutzung der Bauten zu finden und das Bewusstsein zu schärfen, dass dieses einmalige Kulturerbe nur durch gemeinsames Engagement überdauern kann, unter Einbeziehung verschiedener lokaler Gruppierungen und vor einem gesamteuropäischen Hintergrund. Einen Beitrag dazu leistet nun eine neue Wanderausstellung, die am Fachgebiet Denkmalpflege des Instituts für Stadt- und Regionalplanung der TU Berlin in Zusammenarbeit mit der deutsch-rumänischen Stiftung Kirchenburgen und gefördert durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) realisiert und im Juni im Beisein der beiden Schirmherren, der Präsidenten Rumäniens und Deutschlands Klaus Johannis und Joachim Gauck, in Sibiu/Hermannstadt eröffnet wurde. Sie basiert auf dem ISR-Forschungsprojekt „Rumäniens Kirchenburgen“, ebenfalls gefördert vom BKM. Die Ausstellung, die ab Dezember auch in der Rumänischen Botschaft in Berlin zu sehen ist, zeigt nicht nur die reiche Geschichte der Bauten und die problematische Aufgabe ihres Erhalts, sondern auch aktuelle Beispiele, die das Engagement ganz unterschiedlicher Akteure für diese Kirchen aufzeigen und so dazu beitragen, die Kirchenburgen nicht länger exklusiv als deutsches Erbe in Rumänien, sondern als gemeinsames rumänisch-deutsches und europäisches Erbe zu begreifen. Auf ihrer Wanderung durch Europa und Nordamerika will die Ausstellung so keinen Abgesang auf ein sich im Verschwinden befindendes Kulturerbe anstimmen, sondern die Potenziale dieser einmaligen Kirchenburgenlandschaft aufzeigen.

www.tu-berlin.de/?id=113577

Stephanie Herold, M. A., M. Sc. (Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Fachgebiet Denkmalpflege), "TU intern" 22. Juli 2016

Zusatzinformationen / Extras

Direktzugang

Schnellnavigation zur Seite über Nummerneingabe

Diese Seite verwendet Piwik für anonymisierte Webanalysen. Mehr Informationen und Opt-Out-Möglichkeiten unter Datenschutz.