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TU Berlin

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Pressebilder reisen um die Welt

Donnerstag, 16. Dezember 2010

Vor 65 Jahren starb Arthur Korn, der Experte der Fototelegrafie und des Bildrundfunks

Arthur Korn, um 1930
Lupe

Das Übermitteln von Fotos, Zeichnungen und Dokumenten ist im digitalen Zeitalter kinderleicht geworden. Zwar gibt es bereits im 19. Jahrhundert Versuche, Bilder telegrafisch zu versenden, doch erst nach 1900 ist die Technologie so weit entwickelt, dass Übermittlungsgeschwindigkeit und Qualität annehmbar werden. Arthur Korn, der am 22. 12. 1945 – also vor 65 Jahren – in New Jersey stirbt, gehört zu den deutschen Pionieren der Bildtelegrafie. Zwischen 1914 und 1935 ist er als Professor an der Technischen Hochschule Berlin, der Vorgängereinrichtung der TU Berlin, tätig.

Korns Apparat zur elektrischen Ferntelegrafie, um 1911
Lupe

Heute scheint der Name Arthur Korns vergessen. Im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts aber gilt er als der Experte auf dem Gebiet der Fototelegrafie und des Bildrundfunks. Die Berliner Presse feiert zwei Ergebnisse seiner ingenieurtechnischen Arbeit: die Möglichkeit, Pressebilder international telegrafisch oder drahtlos zu übertragen, und – als Fortschritt in der Kriminalistik – die Übermittlung von Steckbriefen und Fingerabdrücken. Korns Leben verläuft ungewöhnlich. 1870 in Breslau als Sohn eines Arztes geboren, legt er bereits als Fünfzehnjähriger die Abiturprüfung an einem Berliner Gymnasium ab. 1886 beginnt er sein Physik- und Mathematikstudium in Freiburg/Breisgau und Leipzig. Zu seinen Lehrern gehören die Physiker Emil Warburg, Gustav Wiedemann und der Mathematiker Carl Neumann. 1890 promoviert er in Leipzig zum Dr. phil. Anschließend setzt Korn seine Studien in Paris bei Henri Poincaré sowie in London, Berlin und Würzburg fort. Mit 25 Jahren habilitiert er sich an der Münchner Universität mit einer physikalischen Arbeit. Zunächst als Privatdozent wirkend, hat er von 1903 bis 1908 eine außerordentliche Professur inne. Stark vom Mathematiker Henri Poincaré, der neben Einstein zu den Wegbereitern der Relativitätstheorie gehört, beeindruckt, widmet sich auch Korn der Mathematik, der modernen Physik und Ingenieurwissenschaft. Er publiziert dank seiner Sprachbegabung viele mathematisch-physikalische Abhandlungen im In- und Ausland und vertritt Deutschland auf internationalen Kongressen. In Anknüpfung an zeitgenössische Forschungen entwickelt er auf der Grundlage der Hydrodynamik eine Theorie der Gravitation. Die größten Erfolge aber erlebt Korn als Promotor von Bildübertragung von grafischen und fotografischen Dokumenten. 1902 gelingt ihm die erste Bildübertragung auf lichtelektrischer Grundlage. 1904 werden Fotos über telefonische Leitungen von München nach Nürnberg übertragen. 1907 erfolgt die erste Bild-Fernübertragung bis Paris und London. Korns Bildtelegrafen werden Bildübertragungen, die auch von Zeitungsredaktionen genutzt wurden. Im März 1908 kann erstmals in der Kriminalgeschichte ein Juwelendieb aus Paris in London verhaftet werden, weil sein über Korns Bildtelegraf übermitteltes Foto im "Daily Mirror" veröffentlicht wird. Mit Hilfe neuer Techniken gelingt Korn 1922 die erste drahtlose transatlantische Bildübertragung von Italien in die USA. Seit 1926 kann die deutsche Kriminalpolizei auf Basis des Lorenz-Korn-Systems Fingerabdrücke von Kriminellen drahtlos an andere Orte übermitteln. Mit Hitlers Machtantritt beginnt für Arthur Korn und seine Familie eine schwere Zeit. Wegen seiner jüdischen Herkunft wird er 1933 als Professor beurlaubt und 1935 entlassen. 1939 kann er mit Ehefrau Elisabeth und Sohn Granino in die USA emigrieren. Hier bekommt er am "Stevens Institute of Technology" in Hoboken im Staate New Jersey eine Professur für Mathematik und Physik. Seit 1945 ist er US-Staatsbürger. Er stirbt am 22. 12. 1945 in New Jersey. Seine Nachkommen leben heute in den USA.

Hans Christian Förster / Quelle: "TU intern", 12/2010

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