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TU Berlin

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Alumni

Moralisch empört

Vor 50 Jahren fand an der TU Berlin der Vietnamkongress statt – zwei TU-Alumni erinnern sich

Jeder Platz im Audimax der TU Berlin besetzt: Sie war verkehrsgünstig gelegen, deshalb verlagerten sich viele Aktivitäten, oft auch verbunden mit Krawallen, hierher.
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„Für den Sieg der vietnamesischen Revolution – Die Pflicht jedes Revolutionärs ist es die Revolution zu machen“ – so lautete die Parole auf dem großen Transparent, das die gesamte Wandfläche auf der Audimax-Bühne einnahm. Der größte Hörsaal an der TU Berlin war vollgepackt mit Zuhörer*innen, sie saßen auf den Geländern der Empore, auf der Bühne hinter den Rednern und auf den Gängen. Vor 50 Jahren, am 17. und 18. Februar 1968, fand an der TU Berlin der Vietnamkongress statt, der zu den wichtigen Ereignissen der Studentenbewegung der 1960er-Jahre gehört.

Eingeladen hatte der Sozialistische Deutsche Studentenbund (SDS), um gegen den Krieg der USA in Südostasien zu protestieren. Gefolgt waren dieser Einladung zwischen 4000 und 5000 junge Menschen aus aller Welt. „Man konnte sich dem eigentlich kaum entziehen“, erinnert sich Lutz Weisbecker, der 1967 sein Studium der Elektrotechnik an der TU Berlin aufgenommen hatte. „Es gab ein wahres Feuerwerk an Flugblättern in den Tagen zuvor. Die Tische in der Mensa waren voll damit. Unterschiedliche Gruppierungen hatten zu dem Kongress aufgerufen.“ Die politischen Aktivisten, die den Kongress gestalteten, kamen weniger von der TU Berlin als vielmehr von der FU Berlin. „Die TU Berlin war sehr verkehrsgünstig gelegen. Schon in den Jahren vor dem Kongress verlagerten sich viele Aktivitäten, oft auch verbunden mit Krawallen, hierher. Zu dem Vietnamkongress bin ich aus Interesse gegangen. Wir sind damals oft bei politischen Veranstaltungen gewesen, auch wenn wir gar nicht selber aktiv waren“, sagt Dr. Gerhard Krause. Er studierte ab 1966 Maschinenbau an der TU Berlin. „Für mich als Westberliner spielte Amerika eine andere Rolle als für viele der Kommilitonen, die aus dem Westen Deutschlands nach Berlin zum Studium kamen. Unser Verhältnis zu den USA war stark von Dankbarkeit geprägt, daher konnte ich den Hass nicht teilen, den viele hatten.“ Auch Lutz Weisbecker war nicht in erster Linie politisch getrieben, an dem Kongress teilzunehmen. „Der Krieg, den die Amerikaner in Vietnam führten, der Abwurf von Napalm, war so grausam, dass mich eine ‚moralische Empörung‘ zu dem Kongress trieb.“ Betrachtet man heute die Fotos vom überfüllten Audimax, in dem am 17. Februar die große Zusammenkunft stattfand, liegt die Frage nach der Atmosphäre im Saal auf der Hand. „Ich habe mich extra nach hinten gesetzt, weil ich große Menschenmengen nicht mag, aber es war eine friedliche Atmosphäre. Ab und zu gab es Zwischenrufe, aber es war sehr konstruktiv“, erinnert sich Lutz Weisbecker. Die Veranstaltung im Audimax ging über viele Stunden, ein Redner nach dem anderen trug vor.

Studentenführer Rudi Dutschke
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Der bekannteste von allen dürfte Rudi Dutschke gewesen sein, der bei den beiden TU-Alumni ebenfalls einen bleibenden Eindruck hinterließ. „Rudi Dutschke war hochintelligent. Er philosophierte sehr lange über Marxismus und Leninismus und pries diese als exakte Wissenschaft. Ich als Ingenieur konnte da nur den Kopf schütteln. Aber er war ein begeisternder Redner“, so Gerhard Krause, und Lutz Weisbecker erinnert sich: „Rudi Dutschke hatte eine etwas monotone Stimme, aber er besaß Charisma und redete auf höchstem Niveau.“ Es waren bewegte Zeiten, zu denen Lutz Weisbecker und Gerhard Krause an der TU Berlin studiert haben. Ihre Professoren trugen noch die Talare, die wenig später der Geschichte angehören sollten. Sie haben die Macht der Ordinarien erlebt und die Aussichtslosigkeit, sich gegen diese zur Wehr zu setzen. Der Vietnamkongress war für sie und die gesamte damalige Studierendengeneration daher auch in dieser Hinsicht eine wichtige Veranstaltung. „Man bekam durch diese und weitere Veranstaltungen richtig Mut, sich gegen die Ordinarien zur Wehr zu setzen“, fasst Gerhard Krause zusammen.

Bettina Klotz, "TU intern" 16. Februar 2018

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