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Anschluss an die Welt

Der afghanische Präsident zeichnete Nazir Peroz für sein unermüdliches Engagement bei der IT-Entwicklung am Hindukusch aus

Nazir Peroz wurde von Staatspräsident Ashraf Ghani (Foto unten, am Pult) die höchste Auszeichnung im akademischen Bereich verliehen.
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„Ich hätte weinen können“, erklärte Dr.-Ing. Nazir Peroz damals, als er 2001 als Mitglied einer DAAD-Delegation erstmals seit 20 Jahren wieder sein Heimatland Afghanistan betrat und den Niedergang und die Zerstörung der baulichen und der intellektuellen Gegebenheiten an der Universität in Kabul in Augenschein nahm. Nach der Machtübernahme hatten die Taliban die Wissenschaft fast vollständig von der Welt abgeschnitten, die Gebäude waren verwüstet, Bücher gab es nicht mehr, Professoren und Studierende arbeiteten halbtags als Schuhputzer, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Da entwickelte Nazir Peroz einen Traum: Mit einigen Studierenden und Wissenschaftlern aus der TU Berlin machte sich der Informatiker und Leiter des TU-Zentrums für internationale und interkulturelle Kommunikation (ZiiK) daran, die Universität informationstechnisch wieder an die Welt anzuschließen. Und die Bilanz ist beeindruckend.

Bei der feierlichen Zeremonie im Präsidentenpalast waren neben dem Staatspräsident Ashraf Ghani (am Pult) auch die First Lady Afghanistans, Rula Ghani, sowie die Hochschulministerin und die stellvertretenden Hochschulminister, Präsidenten der Universitäten und viele weitere Gäste anwesend
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Inzwischen stehen wieder Computer in Kabul, in Herat und anderswo, ein Informatik-Master-Programm für afghanische Dozenten sorgt für die Ausbildung von Fachkräften für Universitäten und Behörden, und Tausende Universitätsangehörige konnten am IT-Center der Uni Kabul ausgebildet werden. Am 27. Dezember 2016 verlieh Dr. Ashraf Ghani, der afghanische Staatspräsident, Nazir Peroz die Sayed-Dschamal-ad-Din Afghani-Medaille, die höchste staatliche Auszeichnung im akademischen Bereich in Afghanistan. Er würdigte damit das unermüdliche Engagement von Nazir Peroz und das seiner Mitarbeitenden für den Hochschulsektor im Bereich IT in Afghanistan.

„Im Rahmen unseres Programms ,Aufbau akademischer Strukturen im Bereich IT in Afghanistan‘ wurden bislang fünf Universitätsrechenzentren (IT-Center) an den Universitäten Kabul, Herat, Balkh, Nangarhar und Kandahar aufgebaut, die IT-Infrastrukturen auf dem jeweiligen Campus betreiben und auch Aus- und Weiterbildungen anbieten“, zählt Nazir Peroz auf. „So wurden zum Beispiel bislang am IT-Center der Uni Kabul rund 8000 Universitätsangehörige ausgebildet.“ Seit 2007 gibt es ein Informatik-Master-Programm für afghanische Dozenten an der TU Berlin. Hier studiert bereits die vierte Generation mit je 25 Teilnehmenden von zehn afghanischen Universitäten an der TU Berlin. Die 25 Absolventen der dritten Generation sind im Oktober 2016 an ihre Heimatuniversitäten zurückgekehrt und nun als Dozenten an den dortigen Computer-Science-Fakultäten beschäftigt. Ebenfalls 2007 wurde an der Universität Herat die erste Informatik-Fakultät Afghanistans gegründet, an der heute etwa 400 Studierende eingeschrieben sind, davon rund 25 Prozent Frauen. Außerdem finden seit 2003 vor Ort in Afghanistan und an der TU Berlin regelmäßig Ausbildungsprogramme für System- und Netzwerkadministratoren statt, die für den Betrieb der IT-Center und den Aufbau der IT-Infrastrukturen eingesetzt werden. Der Output: bislang rund 600 ausgebildete IT-Fachkräfte. Auch ein IT-Department wurde 2004 am afghanischen Hochschulministerium in Kabul gegründet, zur besseren Koordination der Projekte. Dort findet seit 2005 jährlich auch eine internationale IT-Konferenz in Zusammenarbeit mit dem ZiiK statt.

Noch ist die Situation in Afghanistan schwierig, aber angesichts der Erfolge seiner Arbeit gibt Nazir Peroz nicht auf. Die neueste Entwicklung: „Im Februar 2016 wurde in Kabul ein IT-Kompetenzzentrum eröffnet mit dem Ziel, jungen Studierenden den Zugang zur afghanischen IT-Wirtschaft zu ermöglichen.“

Patricia Pätzold, "TU intern" 17. Februar 2017

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