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Alternative zu Castingshows – oder: die Faszination des Fantastischen

Zum 80. Geburtstag von Literaturprofessor Norbert Miller erschien der erste Band der „Schlaflosreihe“

Anne-Claude-Philippe de Caylus, Norbert ­Miller (Übersetzer), Roman Lach (Hg.): Cadichon oder Alles gelingt, wenn man nur warten kann, Verlag Ripperger & Kremers 2017, ISBN: 978-3-943999-73-0
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„Es waren einmal ein König und eine Königin, die hatten nur ein ganz winziges Königreich unter ihrem Zepter. Der König hieß Pétaud, das meint so viel wie Drunter und Drüber. Das war ein prächtiger Mensch, ein wenig grob und aufbrausend zuweilen und von einfältiger und beschränkter Denkungsart, ansonsten aber der beste König unter der Sonne.“ So beginnt das Märchen „Cadichon oder Alles gelingt, wenn man nur warten kann“.

Es stammt aus der Feder des einstmals berühmten Schriftstellers und Altertumswissenschaftlers Comte de Caylus und wurde 1775 postum veröffentlicht. In Deutschland blieb es unbekannt, bis ein literaturbesessener, polyglotter und international agierender Professor sich seiner annahm und eine deutsche Übersetzung schuf: Prof. Dr. Norbert Miller. 1960, noch vor dem Mauerbau in Berlin, war Miller als Assistent des damals schon berühmten Walter Höllerer an die TU Berlin gekommen, wurde zwölf Jahre später selbst ordentlicher Professor und blieb es bis zu seiner Emeritierung 2005.

Ein Leben für die Literatur: Norbert Miller ist Wissenschaftler und Schriftsteller zugleich
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„Die Übersetzung von ‚Cadichon‘, diesem Märchen mit satirischer, auf die französische Gesellschaft zur Zeit von Louis XV. gemünzter Tendenz, ist ein poetischer Text von hohem Reiz“, erzählt Prof. Dr. Markus Bernauer, langjähriger Freund und Kollege und selbst seit 2011 TU-Professor für Neuere Deutsche Philologie und Vergleichende Literaturwissenschaften sowie Projektleiter der Jean Paul Edition an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. „Norbert Miller ist Literatur- und Kunstwissenschaftler, befasste sich in viel gerühmten Büchern mit Romananfängen oder mit Giovanni Battista Piranesi (1978) und Horace Walpole (1986), gab – neben Jean Paul – die Romane Daniel Defoes und Henry Fieldings heraus, Sammlungen, die eine weite Verbreitung fanden, untersuchte Goethes ‚Italienische Reise‘ (‚Der Wanderer. Goethe in Italien‘, 2002) und schloss das mit Carl Dahlhaus begonnene, monumentale Werk zur Romantik in der europäischen Musik nach dessen Tod allein ab. Doch ‚Cadichon‘ ist etwas anderes: Hier schlüpft der Wissenschaftler in die Rolle des Schriftstellers.“

Zugleich sei dieses Märchen Ausdruck von Millers lebenslangem Interesse am Wunderbaren in der Literatur, mehr noch als an Feenmärchen an der Gothic Novel, am Schauerlichen in der Literatur im 18. und 19. Jahrhundert, gerne mit komischem Einschlag. Von diesem Interesse zeugen seine Beteiligung an der „Bibliotheca Dracula“ und die Essaybände „Von Nachtstücken und anderen erzählten Bildern“ sowie „Paradox und Wunderschachtel“, die zu seinem 65. und 75. Geburtstag erschienen und einen Querschnitt durch die europäische Literatur- und Kulturgeschichte vom 18. bis zum 20. Jahrhundert geben. Letzterer wurde von der TU Berlin mitgetragen. „Dieses Mal sollte es etwas anderes sein und so war es ein Glücksfall, dass Roman Lach, ehemaliger Assistent von Norbert Miller und mittlerweile Professor in Korea, zum 80. Geburtstag diese bisher unveröffentlichte Übersetzung gefunden hat, in der sich viele von Millers Eigenheiten und Interessen spiegeln“, sagt Bernauer. Erschienen ist das Bändchen im Verlag Ripperger & Kremers – dank der empfindsamen Übersetzung als wunderbar passender Auftakt zu dessen „Schlaflosreihe“ mit unbekannten und vergessenen Texten, fantastischen Hirngespinsten, erotischen Erzählungen, märchenhaften und verrückten Gedankenspielen im Taschenlampenkegelformat. Geschichten, die zum Träumen einladen: Eine Rezensionen reiht „Cadichon“ in die „Märchen für Erwachsene, Gute-Nacht-Geschichten als Alternative zu Castingshows und Schlagergedudel in der Glotze“ ein (aus-erlesen.de).

Patricia Pätzold , "TU intern" 13. Juni 2017

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