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Freitag, 16. Dezember 2011

Der Antisemitismus des Bildungsbürgertums

Monika Schwarz-Friesel
Lupe

Monika Schwarz-Friesel untersucht die manipulative Macht der Sprache

In den vergangenen vier Jahren hat Prof. Dr. Monika Schwarz-Friesel 14 000 Briefe, Faxe und E-Mails, die seit 2003 an den Zentralrat der Juden in Deutschland und die israelische Botschaft in Berlin gegangen sind, ausgewertet. Der Befund der Leiterin des Fachgebietes Allgemeine Linguistik ist beklemmend: Verbaler Antisemitismus, wie er über Jahrzehnte im rechtsradikalen Raum anzutreffen war, wird mehr und mehr von einem Teil gebildeter Menschen aus der bürgerlichen Mitte der Gesellschaft benutzt. Juristen, Pfarrer, Journalisten, Professoren, Doktoren, Studenten schreiben von "jüdischer Hetze", "Ostküstenlobby", "Juden als Nutznießern des Holocaust" und "nazi-ähnlichen Gewaltorgien der Zionisten". In ihrer 2012 erscheinenden Publikation "Die Sprache der Judenfeindschaft im 21. Jahrhundert", einer Auswertung der Forschungen, wird sie darlegen, wie Antisemiten, die nicht dem Rechtsextremismus zuzuordnen sind, und um Auschwitz wissen, heute argumentieren und welcher Stereotype sie sich bedienen. "Dabei ist es mir wichtig, zu zeigen, wie dieser Verbal-Antisemitismus, der sich oftmals als Kritik an Israel tarnt, die Menschen manipuliert, auch weil er zunehmend unwidersprochen bleibt", sagt Monika Schwarz-Friesel, die bereits zehn Jahre lang in Jena als Professorin für germanistische Linguistik tätig war und seit Oktober 2010 an der TU Berlin lehrt und forscht.

Die Sprache als Handlungs-, Manipulations- und Machtinstrument ist der Kern der Forschungen von Monika Schwarz-Friesel. Um zu erklären, in welcher Weise Sprache zur Beeinflussung von Menschen - im negativen wie im positiven Sinne - eingesetzt wird, untersucht sie die Interaktion von Sprache, Kognition und Emotion.

Der Gebrauch der Sprache, um Gefühle zu wecken und das Denken zu lenken, ist auch Gegenstand ihrer anderen Projekte. In dem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Vorhaben zur Metaphorik in der Terrorismus-Debatte seit dem 11. September 2001 widmet sich die Kognitionswissenschaftlerin den sprachlichen Bildern, die massenmedial zur Darstellung des islamistischen Terrorismus benutzt werden. Im Juni 2012 findet hierzu an der TU Berlin ein Workshop statt. In dem Projekt "Rhetorik der Verunsicherung", das Teil des Exzellenzclusters "Languages of Emotion" an der FU Berlin ist, geht ihr Team der Frage nach, wie im Alltagsgespräch, aber auch in öffentlichen politischen Talkshows mit sprachlichen Strategien wie dem Ironisieren, Kritisieren und Beleidigen versucht wird, den Gesprächspartner zu verunsichern - als eine Variante der Machtausübung.

Sybille Nitsche / Quelle: Hochschulzeitung "TU intern", 12/2011

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