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Menschen

Kernaufgabe bleibt der Antisemitismus

Donnerstag, 14. Juli 2011

Stefanie Schüler-Springorum ist der neue Kopf des renommierten TU-Zentrums

Stefanie Schüler-Springorum
Stefanie Schüler-Springorum
Lupe

Seit dem 1. Juni 2011 hat das Zentrum für Antisemitismusforschung (ZfA) der TU Berlin eine neue Spitze. Prof. Dr. Stefanie Schüler-Springorum hat ihr Amt angetreten und ist damit die dritte Leiterin der international bekannten Einrichtung nach deren Gründungsdirektor Professor Herbert A. Strauss und Prof. Dr. Wolfgang Benz, der das ZfA anschließend rund 20 Jahre lang prägte.

"Natürlich ist es ein Neuanfang", sagt die Historikerin, die seit 2001 das Institut für die Geschichte der deutschen Juden in Hamburg geleitet hat und Vorsitzende der Wissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaft des Leo Baeck Instituts in der Bundesrepublik Deutschland ist. Doch eins stellt sie klar: "Es wird keine radikale Neuausrichtung des Zentrums geben. Die Erforschung des Antisemitismus und die öffentliche Verbreitung der Ergebnisse werden Kernaufgaben bleiben." Klar ist sie sich aber auch darüber, dass sie hier und da einen anderen Blick auf das Forschungsfeld werfen wird, als es ihr Vorgänger tat. Das hat seine Ursachen in ihren besonderen Interessenschwerpunkten und in ihrem Werdegang.

Bereits früh in ihrem Studium hat sie sich auf jüdische Geschichte spezialisiert. Ihre "Summa cum laude"-Dissertation schrieb sie über die jüdische Minderheit in Königsberg. Doch Stefanie Schüler-Springorum hat sich immer wieder auch mit den Geschlechterbeziehungen, zum Beispiel im jüdischen Widerstand oder in der deutsch-jüdischen Jugendbewegung, beschäftigt. "Ich wollte gar nicht unbedingt von vornherein in die Wissenschaft", sagt sie heute. "Mir war der Aspekt der öffentlichen Vermittlung von Geschichte immer wichtig. Ausstellungen haben mich deshalb gereizt. Dabei ist man gezwungen, zu visualisieren und knapp zu formulieren, ohne oberflächlich zu werden." Unter anderem hat sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Berliner "Topographie des Terrors" sowie an anderen Ausstellungen mitgewirkt.

Zwei Menschen haben Stefanie Schüler-Springorum schließlich in die Wissenschaft zurückgeholt und auch ganz besonders geprägt - es waren Wissenschaftler der TU Berlin: Reinhard Rürup, der Initiator der Gedenkstätte "Topographie des Terrors", sowie die international anerkannte erste Leiterin des Zentrums für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung an der TU Berlin, Karin Hausen, eine der Begründerinnen der historischen Frauen- und Geschlechterforschung. Stefanie Schüler-Springorum will in ihrer Forschung einen gegenwartspolitischen Bezug herstellen und die gesamte Gesellschaft in den Blick nehmen. Ihr zweites historisches Fachgebiet ist die spanische Geschichte des 20. Jahrhunderts. Hierzu hat sie soeben auch ein neues Buch veröffentlicht ("Krieg und Fliegen. Die Legion Condor im Spanischen Bürgerkrieg"). "Spanien, wo ich in den 1980er -Jahren eine Zeit lang lebte, hat in seiner Geschichte sowohl Juden als auch Moslems vertrieben." Am spanischen Beispiel ergibt sich für sie die Möglichkeit, antisemitische und antimuslimische Ausgrenzungen historisch vergleichend zu untersuchen. Daneben interessiert sie sich für den Zusammenhang von Antisemitismus und Gewalt: "Wie schlägt Ideologie in Gewalt um? Welche Rolle spielen Gefühle und die mediale Vermittlung antisemitischer Ressentiments?" Hier sieht die Historikerin auch eine Brücke zur aktuellen rechtsradikalen Gewalt, die sich gegen ganz unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen richtet.

Insbesondere will sie das Thema fest im Studiengang "Kultur & Technik" verankern. Ein besonderes Juwel als Hoffnungsträger für die Zukunft ist für sie das Forschungskolleg "Antisemitismus in Europa (1879-1914)", das am ZfA angesiedelt ist und viele spannende Projekte beherbergt. Dafür wurde bereits bei der Einstein Stiftung ein Nachfolgeantrag initiiert. Im Wintersemester wird Stefanie Schüler-Springorum ihre Antrittsvorlesung halten.

Patricia Pätzold / Quelle: "TU intern", 7/2011

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