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TU Berlin

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Menschen

Manskys Methode

Donnerstag, 20. Januar 2011

Neu berufener Professor misst die Qualität medizinischer Behandlung

Experte für Qualität im Gesundheitswesen: Thomas Mansky
Lupe

Thomas Mansky hat eine Methode entwickelt, mit der Zahlen an die Öffentlichkeit gelangen, von denen viele früher in der Medizin geheime Verschlusssache waren. Für die einen wurde er so zum Verräter, für die anderen zum Revolutionär. Doch wenn es um die Patienten geht, ist Thomas Mansky, neu berufener Professor für Strukturentwicklung und Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen, gern der Systemveränderer.

Mit Manskys Methode kann jedes Krankenhaus wissen, wie hoch die Sterblichkeit bei jedem behandelten Krankheitsbild ist. Manskys Methode misst die Qualität medizinischer Behandlung. Und da die Messung auf vorhandenen Daten beruht, kann sie auch von den Krankenkassen vorgenommen werden, sodass sie nicht mehr allein auf die Information der Ärzte angewiesen sind.

Um zu verstehen, welche Unruhe er auslöste, muss man sich bewusst machen, dass es in der Medizin lange als undurchführbar galt, die Qualität einer Behandlung zu messen.
Der Mediziner und Informatiker forscht seit 2000 daran. "Die Sterblichkeit ist bei vielen Krankheiten ein wichtiger Parameter, an dem die Qualität einer Behandlung im Krankenhaus ablesbar ist. Sie gibt entscheidende Hinweise auf gravierende Defizite – wie mangelnde Kooperation zwischen den Abteilungen, nicht sachgerechte Behandlung oder Hygienemängel", erklärt Mansky. "Und wenn man Behandlungsabläufe bei Sterbefällen untersucht, können oft Prozesse im Krankenhaus verbessert und Leben gerettet werden."

Als Erste in Deutschland machten die Helios Kliniken 2007 ihre Mortalitätsraten öffentlich. Thomas Mansky war dort von 2000 bis 2010 für den Bereich "Medizinische Entwicklung" verantwortlich und hat in jener Zeit die Methodik federführend erarbeitet, von der auch die oberste Schweizer Gesundheitsbehörde überzeugt ist: Auf Grundlage seiner Methodik wird sie dieses Jahr für alle Schweizer Kliniken die Mortalitätsraten für wichtige Krankheiten zugänglich machen.

Ausgangspunkt für seine Forschungen bei Helios war das DRG-System. Darin sind alle Daten über Diagnosen und Behandlungen erfasst, die in einer Klinik vorgenommen werden. Mit dem DRG-System wurde 2003 in Deutschland eine Vergütung nach Leistung eingeführt. "Es legt fest, dass eine Lungen-OP mehr wert ist als eine Blinddarm-OP und um wie viel", so Mansky. Die Abkehr von einer festen Budgetierung für alle Kliniken hin zu einer Leistungsvergütung wurde in den Fachkreisen als "kopernikanische Wende" beschrieben. An der Entwicklung und Einführung dieser leistungsbezogenen Bezahlung war der 57-Jährige, der Facharzt für Innere Medizin ist und sich an der Universität Lübeck in Medizinischer Informatik habilitierte, maßgeblich beteiligt.

"Als die Leistungsvergütung eingeführt war, lag es für mich auf der Hand, nun zu untersuchen, wie gut eine Herz-OP im Vergleich zur anderen ist und welche Parameter für die Qualität der jeweiligen Behandlung aussagekräftig sind." Neben der Sterblichkeit ist zum Beispiel die Lebensdauer eines künstlichen Hüftgelenkes ein solcher Indikator. Die Qualität zu messen ist für Mansky jedoch kein Selbstzweck. "Wenn sie messbar ist, kann sie auch bezahlt werden." Was heißt, dass sein nächstes Ziel ist, eine Vergütung auch nach Qualität in der Medizin einzuführen. Eine solche Wende würde vor allem einem nutzen: dem Patienten.

Sybille Nitsche / Quelle: "TU intern", 1/2011

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