direkt zum Inhalt springen

direkt zum Hauptnavigationsmenü

Sie sind hier

TU Berlin

Inhalt des Dokuments

Menschen

Prototypen, die man nicht anfassen kann

Rainer Stark ist neuer Fachgebietsleiter "Industrielle Informationstechnik"
Rainer Stark ist neuer Fachgebietsleiter "Industrielle Informationstechnik"
Lupe

Die zunehmende Globalisierung und Vernetzung der Länder der Welt hat positive wie negative Effekte. Ein positiver Nebeneffekt ist sicher, dass immer neue spannende Berufsfelder entstehen. Die Technische Universität Berlin konnte im Februar dieses Jahres Professor Dr.-Ing. Rainer Stark als Fachgebietsleiter „Industrielle Informationstechnik“ am Institut Werkzeugmaschinen und Fabrikbetrieb gewinnen. Gleichzeitig wurde der Wissenschaftler zum Direktor des Geschäftsfeldes Virtuelle Produktentstehung am Fraunhofer-Institut Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik (IPK) berufen.

"Mit der Arbeit am IPK habe ich eine direkte Rückkopplung zwischen Grundlagen- und angewandter Forschung", sagt Professor Stark. Eine solche Verknüpfung gebe es selten in der deutschen Forschungslandschaft – das war auch ein Argument für den Forscher, sich von der Industrie zu verabschieden und sich wieder der Forschung und Lehre zu widmen.

Der Maschinenbauingenieur beschäftigt sich damit, digitale Produktentwicklungsprozesse zu optimieren. So betreut er derzeit Projekte, die an virtuellen Prototypen bereits in einem sehr frühen Stadium der Produktentwicklung intuitive Interaktionen erlauben. „Wer möglichst schnell und gezielt auf die Wünsche seiner Kunden eingehen kann, hat heutzutage einen Wettbewerbsvorteil“, erläutert er. An Modellen einer digitalen Fabrik könne man inzwischen Produktionsabläufe optimieren. "Diese junge Disziplin gab es vor 20 Jahren nur in Ansätzen und nicht in der zunehmend vernetzten Art von heute."

Rainer Stark hat sich bereits während seines Maschinenbaustudiums an der Ruhruniversität Bochum mit CAD/CAM, Laser- und Gleitlagertechnik auseinandergesetzt. Seine Diplomarbeit "Development in Fiber Optic Pulse Laser Generation of Surface Wave for Non Destructive Evaluation" entstand während eines einjährigen USA-Studienaufenthalts an der Texas-A&M University. Während seiner Promotion an der Universität des Saarlandes entwickelte er ein mathematisches Toleranzmodell zur Integration in (3-D-)CAD-Systeme.

Vor seiner Berufung an die TU Berlin war Professor Stark 14 Jahre lang bei der Ford Motor Company tätig, zuletzt als Technischer Leiter/Europäischer Manager "Virtuelle Produktentstehung & Methoden". Als erfahrener Praktiker weiß er also, was die Industrie von jungen Ingenieuren und Ingenieurinnen erwartet. Der 44-Jährige will daher auch neue Lehrangebote schaffen, etwa ein innovatives digitales Lernzentrum, wo die Studierenden bereits an der Uni die gesamte Prozesskette der Produktentwicklung und der Fabrik kennenlernen.

Andrea Puppe

Mit dem Laser auf Quantenpunktjagd

Ulrike Woggon leitet das Fachgebiet Nichtlineare Optik
Ulrike Woggon leitet das Fachgebiet Nichtlineare Optik an Nanometerstrukturen der TU Berlin
Lupe

Winzig sind die Materialien und extrem kurz sind die Laserpulse, mit denen diese von der Experimentalphysikprofessorin Ulrike Woggon und ihrer Arbeitsgruppe bisher an der Universität Dortmund untersucht wurden. Jetzt hat sie sich entschieden, eine Professur an der Technischen Universität Berlin anzunehmen, auch weil "Berlin eine sehr gute Infrastruktur für interdisziplinäre und institutionsübergreifende Zusammenarbeit bietet". Langjährige und fruchtbare wissenschaftliche Kooperationen mit Kollegen der TU Berlin waren ein weiteres Argument. "Mich treibt die Neugier, die Chance, etwas Neues zu beginnen. Außerdem ist Berlin meine Geburtsstadt", sagt die Wissenschaftlerin, die seit dem 1. Juli das Fachgebiet Nichtlineare Optik an Nanometerstrukturen leitet. Sie und ihr Team wollen nun mit spannenden Projekten auch im Rahmen des Sonderforschungsbereichs "Halbleiternanophotonik" zu den vielfältigen Forschungsaktivitäten der TU Berlin beitragen. Umzüge ist die Festkörperphysikerin gewohnt: Nach dem Studium in Jena und Berlin – sie promovierte an der Humboldt-Universität – ging sie an die Universität Kaiserslautern, wo sie sich, gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, habilitierte. Die erste eigene Arbeitsgruppe baute sie am Institut für Angewandte Physik der Universität Karlsruhe auf. Von dort aus ging es über das Optical Sciences Center der University of Arizona, Tucson, in den USA 1997 als Professorin an die TU Dortmund, wo sie unter anderem das Graduiertenkolleg "Materialeigenschaften und Konzepte für die Quanteninformationsverarbeitung" initiierte und leitete.

Ulrike Woggon untersucht mit spektroskopischen Methoden Nanostrukturen. "Wenn man einen Festkörper in immer kleinere Teile teilt, erhält man irgendwann einige Nanometer kleine Strukturen, die in ihren Eigenschaften nicht mehr Festkörper und noch nicht Atom sind", beschreibt die Forscherin die Objekte ihrer wissenschaftlichen Neugier. In sogenannten Quantenpunkten ließen sich durch die Variation ihrer Größe und Form elektronische und optische Eigenschaften maßschneidern. "So haben Forscher in den vergangenen 15 Jahren zum Beispiel völlig neue Materialien entwickelt, die es in der Natur nicht gibt", erläutert Ulrike Woggon. Sie untersucht die optischen Spektren von Halbleiternanostrukturen mit Femtosekunden-Laserpulsen. Anwendungen auf dem Gebiet der Nanophotonik gibt es etwa in der Weiterentwicklung der Telekommunikation oder in der Biologie. Nanoteilchen können dort zum Beispiel als lichtstabile, fluoreszierende Marker in Geweben eingesetzt werden.

Wie das Neue in die Welt kommt

Michael Hutter untersucht die kulturellen Quellen von Innovationsprozessen
Michael Hutter untersucht die kulturellen Quellen von Innovationsprozessen Historiker und Gerichtsgutachter
Lupe

Am Beginn des automobilen Zeitalters existierten Verbrennungs-, Dampf- und elektrischer Motor gleichberechtigt nebeneinander. Erst seit den 20er-Jahren des vorigen Jahrhunderts trat der Verbrennungsmotor seinen Siegeszug an und verdrängte die anderen Alternativen.

Warum aber konnte sich der elektrische Antrieb nicht durchsetzen? Antworten auf diese Frage sucht Michael Hutter, der seit Frühjahr dieses Jahres das neue Fachgebiet "Kultur, Wissen und Innovation" an der TU Berlin lehrt. Dabei ist die Beantwortung dieser Frage nur ein Baustein eines viel umfassenderen Problems. Nichts Geringerem, als zu begreifen, wie sich das Neue in der Welt behauptet, gilt in den nächsten sechs Jahren Hutters Interesse.

Seine These ist kühn: Nicht die technische Lösung eines Problems bestimmt, ob sich eine Erfindung durchsetzt. Vielmehr beeinflussten dies Faktoren, die als kulturell zu bezeichnen sind – Lebenskulturen wie die kreativen Milieus in Städten, Gemeinschafts- und Organisationskulturen wie Firmenkulturen und Professionskulturen, also Kulturen innerhalb eines Berufsstandes, oder Ausdrucks- und Reflexionskulturen wie in der Kunst.

Es ist ein vollkommen neuer Ansatz in der Innovationsforschung. "Der Zusammenhang von Technik und Innovation ist weitgehend erforscht", sagt Hutter, „mein Team aber setzt sich zum Ziel, den Zusammenhang von Kultur und Innovation abzubilden.“
Um dieses Neuland zu betreten, wurde am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung 2007 die Abteilung "Kulturelle Quellen von Neuheit" gegründet, deren Direktor Hutter seit März 2008 ist. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um Michael Hutter werden sich dem Problem von vielen Seiten nähern, um die kulturellen Quellen des Neuen freizulegen. Er selbst hat sich mit der Frage beschäftigt, wie sich Erfindungen in der Kunst wie zum Beispiel die der Linearperspektive in der Zeit der Renaissance auf die wirtschaftliche Entwicklung auswirkten. Eine andere Arbeitsgruppe wird untersuchen, wie die kulturelle Prägung von Ingenieuren mitbestimmt, welcher alternative Antrieb im Zeitalter des Klimawandels von der Autoindustrie künftig favorisiert wird.

Auch wenn die Forschungen erst am Anfang stehen, eine Erkenntnis kann bereits als gesichert gelten: Neues bleibt nicht allein deshalb in der Welt, weil ein kluger Kopf für ein technisches Problem eine kluge technische Lösung fand. Ferdinand Porsche würde dem sicherlich zustimmen. Der geniale Ingenieur hatte das erste Automobil mit einem Hybridantrieb bereits im Jahre 1900 konstruiert.

Sybille Nitsche / Quelle: "TU intern", 12/2008

Zusatzinformationen / Extras

Direktzugang

Schnellnavigation zur Seite über Nummerneingabe

Diese Seite verwendet Piwik für anonymisierte Webanalysen. Mehr Informationen und Opt-Out-Möglichkeiten unter Datenschutz.