direkt zum Inhalt springen

direkt zum Hauptnavigationsmenü

Sie sind hier

TU Berlin

Inhalt des Dokuments

Studium & Lehre

Die unsichtbare Stadt im Visier

Donnerstag, 16. Dezember 2010

Studierende der Stadt- und Regionalplanung untersuchten, wer was in der Kommune sichtbar macht

In Aachen machten die Studierenden sichtbar, was nur mithilfe aller Sinne erfasst werden kann
Lupe

Die unsichtbare Stadt – ein Widerspruch? "Viele unsichtbare Elemente prägen eine Stadt und sind sogar zentral für ihre Funktion und ihre Wahrnehmung. Die Planung vernachlässigt sie jedoch oft als vorrangig visuelle Disziplin", sagt Prof. Dr. Dietrich Henckel. Er leitete das Studienprojekt "Unsichtbare Stadt" am Institut für Stadt- und Regionalplanung im vergangenen Semester. Dieses für die Stadtplanung außergewöhnliche Thema solle das kreative Potenzial der Studierenden fördern und fordern, um neue Perspektiven für die Analyse, das Verständnis sowie Zukunftsvisionen von Stadt zu erzeugen. Den Rahmen für das Seminar bildete das Projekt "Fachlicher Nachwuchs entwirft Zukunft – Die unsichtbare Stadt", das von der Nationalen Stadtentwicklungspolitik gefördert wird, um den Planernachwuchs in den Austausch zwischen Hochschule und Ministerium einzubinden sowie dazu anzuregen, frische, zukunftsweisende Ideen für die Stadtplanung zu entwickeln. Neun Hochschulen nehmen an diesem Projekt teil.

Eine der wichtigsten Fragen, die sich die Studierenden stellten, lautete: Wer bestimmt eigentlich, welche städtischen Elemente – zum Beispiel Macht, Grenzen, Charakter, Brennpunkte, soziale Netzwerke – für wen sichtbar sind? Sie fanden heraus, dass dies von verfügbaren Visualisierungstechniken und subjektiven Eindrücken abhängt und zugleich stark durch die Interessen der Akteure geprägt ist. Die Studierenden experimentierten dabei mit neuen Techniken, die über Google Earth oder Street View hinausgehen, zum Beispiel mit dem "Copenhagen Wheel", einem Messgerät am Fahrrad, das ortsabhängige Umwelt- und Fitnessdaten in Stadtplänen visualisiert und an das Smart Phone des Radfahrers übermittelt.

Doch bestimmte städtische Charakteristika sind nicht für alle zu verstehen und bleiben unsichtbar, wie eine Untersuchung der Straßenprostitution rund um die Kurfürstenstraße in Berlin verdeutlichte. Bestimmte bauliche Maßnahmen wie Sichtblenden an der Kita wollen den Brennpunkt Prostitution zum Beispiel für Kinder unsichtbar machen wie auch die Kinder für die Prostituierten und Freier, während an anderen Stellen gerade Offenheit und Sichtbarkeit hergestellt werden, um diese Orte für "versteckte Handlungen" unattraktiver zu machen. Dazu zählen die transparente, bauliche Neugestaltung von Plätzen, die keine Rückzugsnischen lässt, oder verbesserte Beleuchtungskonzepte. Die Letzteren zielen auch auf eine intensivere Nutzung des öffentlichen Raums, die Prostitution durch soziale Kontrolle erschwert. Sichtbar- oder Unsichtbarmachen können so impliziter Bestandteil von Stadtplanung sein. Bilder von einer Stadt, die im Stadtbild selbst nicht unbedingt sichtbar sind, aber Konsequenzen für die Wahrnehmung der Umgebung haben, entstehen neuerdings auch virtuell, auf eigenen Homepages oder in sozialen Netzwerken, durch Karten- oder Fotoverknüpfungen. Es sei Aufgabe der Stadtplanung, diese und weitere unsichtbare Elemente zu erkennen, zu dechiffrieren und zu berücksichtigen, so Henckel. In einer einwöchigen Sommerschule in Hamburg, an der jeweils drei Studierende der neun Hochschulen teilnahmen, entwickelten die Studierenden in hochschulübergreifenden Teams neue Methoden und Ansätze räumlicher Planung zur Analyse und Darstellung des Unsichtbaren. Die Ergebnisse der Untersuchungen werden demnächst auf einer eigenen Website sowie in einem Bericht in einer wissenschaftlichen Zeitschrift dargestellt.

tui / Quelle: "TU intern", 12/2010

Zusatzinformationen / Extras

Direktzugang

Schnellnavigation zur Seite über Nummerneingabe

Diese Seite verwendet Piwik für anonymisierte Webanalysen. Mehr Informationen und Opt-Out-Möglichkeiten unter Datenschutz.