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TU Berlin

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Internationales

Die bessere Idee afghanischer Mädchen

Die Informatikerin Roya Mahboob aus dem Land am Hindukusch kämpft für Bildung und Freiheit

Auf dem Rückweg vom Roboterwettbewerb in den USA besuchte Roya Mahboob (4. v. r.) mit den Schülerinnen ihren ehemaligen Mentor Nazir Peroz (M.) an der TU Berlin, die für sie zum Sprungbrett für eine Karriere als Unternehmerin in Afghanistan geworden war
Lupe

Sie ist laut TIME Magazine eine der 100 einflussreichsten Personen der Welt. "Die Ausbildung an der TU Berlin eröffnete mir so viele Möglichkeiten, die ich plötzlich nutzen konnte, und sie wurde so der Schlüssel zu meinem Erfolg!", sagt Roya Mahboob, die Frau mit dem locker um Kopf und Hals liegenden Kopftuch und der leuchtend bunten Jacke. Die erfolgreiche Software-Unternehmerin kommt aus Afghanistan und brachte im vergangenen Jahr ein sechsköpfiges Robotics-Team von 14- bis 15-jährigen afghanischen Mädchen in die USA, wo sie in Washington, D. C., an einem Robotics-Wettbewerb teilnahmen. Auf dem Rückweg legten sie einen Zwischenstopp in Deutschland ein und besuchten das Zentrum für ­internationale und interkulturelle Kommunikation (ZiiK) der TU Berlin und dessen Leiter, Royas ehemaligen Mentor, Dr. Nazir Peroz, um einem einflussreichen Kreis ihre Projekte vorzustellen.

",Gib niemals auf! Sag Ja zu deinen Möglichkeiten und lass dein Feuer immer brennen!' Diese Botschaften gebe ich den Mädchen mit", sagt Roya Mahboob. Mit der Non-Profit-Organisation "Digital Citizen Fund", die sie mitgegründet hat, engagiert sich Roya Mahboob für die IT-Ausbildung von Kindern und Frauen in Entwicklungsländern und führt Bildungsmaßnahmen und "Digital Literacy"-Projekte in Schulen und eigens aufgebauten Trainingscentern in Entwicklungsländern durch, um jungen Menschen den Anschluss an die Informationsgesellschaft und digitale Jobperspektiven zu erschließen. So konnten bislang bereits mehr als 10 000 Frauen und Mädchen ausgebildet werden.

"Die Mädchen waren so glücklich, dass ihre Arbeit in den USA und auf so großer Bühne öffentlich anerkannt wurde", erzählt Roya Mahboob von der Robotics Challenge. Sie selbst hat hart um Anerkennung kämpfen müssen. Sie habe als Frau in ihrem Land kaum Finanzierungsmöglichkeiten oder Zugang zu Krediten gehabt wie Männer. 81 Prozent der wenigen afghanischen Geschäftsfrauen fehlt es an solchen notwendigen Ressourcen. Ohnehin hätten 85 Prozent der Frauen praktisch keine Ausbildung. Noch 2014 waren nur 20 Prozent der afghanischen Studierenden Frauen. "Korruption war ein weiteres Problem für mich, sowohl in Regierungs- als auch in privaten Kreisen. Auch fehlen Sicherheit, technisches Know-how und Infrastruktur. Diskriminierung, Spione und Bedrohungen für mein Geschäft und mein Privatleben waren die Folge." Kulturelle Barrieren, die die Bewegungsfreiheit für Frauen einengen, beeinträchtigten Geschäftsfrauen in Afghanistan zudem.

Nazir Peroz vom ZiiK ist sehr stolz auf seine ehemalige Studentin. "Wir haben sie unter anderem im Rahmen eines sechsmonatigen IT-Trainings an der TU Berlin ausgebildet", erzählt er, "ihren Bachelorabschluss in Informatik erhielt sie dann von der Computer-Science-Fakultät der Universität Herat, die vom ZiiK der TU Berlin aufgebaut wurde." Und er bewundert ihre Kraft: "Sie musste große Hürden nehmen, um Teilnehmerinnen mit den nötigen Qualifikationen und die Erlaubnis von deren Eltern für die Teilnahme zu gewinnen. Auch der Visa-Antrag für die USA gestaltete sich schwierig, konnte jedoch in letzter Minute, nach zweimaliger Zurückweisung, gemeistert werden. Zu Recht erhielt Roya Mahboob in den USA eine Silbermedaille für couragiertes Engagement."

An der Veranstaltung im ZiiK nahmen neben TU-Vertretern unter anderem Tabea Goldboom vom Auswärtigen Amt und Abdul Jabar Ariyaee, Stellvertretender Botschafter der Islamischen Republik Afghanistan, teil. Nazir Peroz, der seit Jahren selbst viel Engagement in Ausbildung und den infrastrukturellen Aufbau Afghanistans steckt, moderierte die Fragerunde und schloss: "Dieses Team sendet ein starkes Signal an die afghanische Gesellschaft und die Weltgemeinschaft, hin zu mehr Gleichberechtigung. Es beweist Gestaltungswillen und Fähigkeiten afghanischer Jugendlicher." Und auch der Name, den die Mädchen ihrem Roboter gaben, ist Programm: "Better Idea of Afghan Girls".

http://digitalcitizenfund.org
www.ziik.tu-berlin.de

Patricia Pätzold, "TU intern" 19. Januar 2018

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