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TU Berlin

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„Die Zukunft sollte eine grundsätzlich nichtkommerzielle Publikationskultur sein“

Die Open-Access-Beauftragte der TU Berlin, die Mikrobiologin Vera Meyer, erläutert Wege zu Open Access für Wissenschaftler*innen

Professorin Vera Meyer wurde vom TU-Präsidium als Open-Access-Beauftragte eingesetzt und ist selbst Herausgeberin
Lupe

Wege zu Open Access: Was kann jeder Einzelne von uns tun?
Vera Meyer: Wissenschaftliche Erkenntnisse müssen kommuniziert und rezipiert werden. „Wissen, zu dem es jedoch nur begrenzten oder gar keinen freien Zugang gibt, bleibt elitär und im schlimmsten Falle leer“, schrieb ich in der „TU intern“-Ausgabe exakt vor einem Jahr. Damit ist das Thema schon umrissen: Open Access als Modell einer freien Wissenschaftskommunikation steht dem Closed-Access-Modell gegenüber, welches sich im letzten Jahrhundert etabliert hat. Vorreiter dieser traditionellen, auf Subskription basierenden Wissenschaftsverlage haben früh erkannt, dass sie sich aus diesem Geschäftsmodell heraus zu börsennotierten Unternehmen entwickeln können, mit Gewinnen, die höher ausfallen als jene von Google, Facebook oder Apple. Wir müssen und sollten es nicht dabei belassen!

Was hindert uns an Open Access?
Meist Dogmen. „Open-Access-Journale sind qualitativ weniger wert“, „OA-Journale haben kein Peer Review“, „Um in meiner Community zu bestehen, muss ich in bereits etablierten hochrangigen und damit Closed-Access-Journalen publizieren, die über einen hohen Journal Impact Factor (JIF) verfügen“. Die Realität sieht anders aus. Führende OA-Journale haben ein Peer Review  und sind bezüglich des JIF auf Augenhöhe mit Closed-Access-Journalen oder nah dran. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie aufgeholt und diese sogar überholt haben.

Ein weiterer Grund ist die Sichtbarkeit der „article processing charge“ (APC) für Autoren, die sie nun an OA-Journale zahlen müssen und die sie vor einer Manuskripteinreichung zurückschrecken lässt. Aber: Die Subskriptionskosten für Closed-Access-Journale gehen weltweit in die Milliarden, sind meist nur den Universitätsbibliotheken bekannt und liegen konkret für die TU Berlin bei rund 1,65 Millionen Euro pro Jahr. Das Ziel der DEAL-Verhandlungen ist, dass diese Summe statt für Subskriptionskosten für APCs eingesetzt wird.

Warum brauchen wir Open Access?
Studien belegen eindeutig: Publikationen in qualitätsgesicherten OA-Journalen werden häufiger zitiert. Dies führt nicht nur zu einer besseren Sichtbarkeit der eigenen Forschungsergebnisse, sondern beseitigt Wissensbarrieren und führt somit zu einem schnelleren Innovationstransfer. Alle führenden Wissenschaftseinrichtungen der Welt haben erkannt, dass Open Access ein strategisches Element zur Exzellenzwahrung ist, und haben entsprechend eigene Open Access Policies verabschiedet.

Wie können wir Open Access unterstützen?
Indem wir vorrangig in „Gold OA“-Journalen publizieren und auch nur für diese Gutachter- und Editorenaufgaben wahrnehmen. Sollte es in einer Fachcommunity kein hochwertiges OA-Journal geben, sollte man sein Zweitveröffentlichungsrecht wahrnehmen und somit den sogenannten „Grünen OA“-Weg gehen. Unsere Universitätsbibliothek berät hierbei.

Es ist auch möglich, eine vorrangig Closed-Access-orientierte Publikationskultur der eigenen Fachcommunity selber aktiv zu verändern, wenn man ein OA-Journal gründet und herausgeberisch tätig wird. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass dies möglich, aber auch kein einfaches Unterfangen ist. Wie immer bei Veränderungsprozessen ist ein langer Atem nötig. Man wirbt für das Journal auf Konferenzen, erläutert in Editorials, warum es wichtig für die Community ist, erläutert die – fachliche – Notwendigkeit, sucht Gespräche mit etablierten Kolleg*innen, wirbt um Vertrauen und wirft letztendlich seine eigene Reputation in die Waagschale. Drei Jahre ist „mein“ Journal Fungal Biology and Biotechnology nun alt und ich bin froh, dass es mittlerweile von meiner Fachcommunity akzeptiert und geschätzt wird.

Wohin geht die Reise?
Ein Paradigmenwechsel in der wissenschaftlichen Publikationskultur umfasst nicht nur Fachjournale, sondern auch andere Publikationsformen wie Konferenzbände, Sammelbände und Monografien. Auch für diese müssen neue OA-Wege gefunden und beschritten werden.

Es ist mir wichtig, hier zu betonen, dass eine gelebte Open-Access-Publikationskultur nur der erste Schritt von vielen ist. Denn die Zukunft sollte eine grundsätzlich nichtkommerzielle Publikationskultur sein! Es ist falsch, anzunehmen, dass kommerzielle Wissenschaftsverlage systemrelevant sind. Sie sind lediglich aus historischen und anachronistischen Gründen Bestandteil des Systems. Aber das Copyright gehört allein den Wissenschaftler*innen, denn sie forschen, publizieren, begutachten und sind herausgeberisch tätig. Es gibt daher meines Erachtens keine ökonomischen oder technischen Gründe, warum kommerzielle (OA-)Verlage Teil des Systems sind. Es gibt mittlerweile genügend nichtkommerzielle Journale (vor allem im Bereich Big Data), die erfolgreich sind und auch wichtige Impulse aus der Gesellschaft bekommen. Hier ist „Citizen Science“ kein Modewort, sondern gelebte Realität und sollte das Modell der Zukunft sein.   

Das Interview führte Dagmar Schobert, "TU intern" 16. Februar 2018

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