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TU Berlin

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Wild und einladend – ein Ort der Innovation und der Kreativität

Die DNA der Bauakademie lebt in der TU Berlin weiter. Die Institutionen sind eng miteinander verwoben

Interview mit Bénédicte Savoy

Kunsthistorikerin Prof. Dr. Bénédicte Savoy leitet das Fachgebiet Kunstgeschichte der Moderne an der TU Berlin. 2016 wurde ihr der mit 2,5 Millionen Euro dotierte Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis verliehen. 2016 wurde sie ins Collège de France aufgenommen, die Institution mit dem höchsten wissenschaftlichen Prestige Frankreichs. Am 30. März 2017 hielt sie dort ihre Antrittsvorlesung.

Frau Professor Savoy, die TU Berlin ist sehr eng mit der Bauakademie verbunden. Sie haben sie als „Mutterleib“ der Technischen Universität Berlin bezeichnet. Wie meinen Sie das?

Benédicté Savoy und Hans-Dieter Nägelke
Lupe

Unsere Universität ist ja aus der Bauakademie erwachsen. 1836 war das neue Akademiegebäude in Mitte fertig: quadratisch, praktisch, gut, aus heimischem Backstein errichtet, in unmittelbarer Nähe zum Schloss und zur Friedrichswerderschen Kirche. Es gab Läden im Untergeschoss und darüber Zeichensäle, Hör- und Arbeitssäle für Forschung und Lehre, für die Ausbildung von Architekten, von allen Kategorien von Baubediensteten. Die Oberbaudeputation, deren Direktor Karl Friedrich Schinkel war, war darin untergebracht mit Büroräumen und Plankammern sowie nicht zuletzt auch eine größere Wohnfläche für Schinkel und seine Familie selbst. Aber für das wachsende Berlin wurde der große „Rote Kasten“ sehr schnell zu klein. Schon 1884, nachdem mehrere Erweiterungspläne gescheitert waren, ging die Bauakademie als vollständige Institution  in die Technische Hochschule Charlottenburg über. Lehre und Forschung wurden hier weitergeführt. So wie ein Baby dem Mutterleib entwächst, so sind Geist und Körper der Bauakademie dem Gebäude in Mitte entwachsen, ihre DNA lebt bis heute am Ernst-Reuter-Platz fort.

Was macht die Identität eines Stadtraumes, einer Institution aus?

In einer historisch gewachsenen Stadt, nicht zerstört vom Krieg und nicht geteilt, gibt es eine große Kontinuität zwischen dem Ur-Gebäude und „End“-Gebäude. Die Hochschule, in der ich in Paris studiert habe, befindet sich zum Beispiel seit 1794 am selben Ort. Der Ort als identitätsstiftende Größe ist in solchen Städten selbstverständlich und wird nicht diskutiert. Hier in Berlin ist das natürlich ganz anders. Es ist sogar schon ein Problem, die Dinge zu benennen. Das prominenteste Beispiel ist der Reichstag. Er heißt nicht mehr „Reichstag“, sondern „Bundestag im Reichstagsgebäude“. Hier hat eine Trennung zwischen dem Ort und dem Geist stattgefunden. Der Reichstag ist tot, hat sich gewandelt und kommt an seinen ursprünglichen Ort als Bundestag zurück. Die Geschichte der Bauakademie ist ähnlich – nur ist sie nicht tot, sie ist ausgezogen mit ihrem Geist der Innovation –, schlicht gesagt, weil das Gebäude zu klein geworden war.

Kann man also sagen, die Bauakademie war in diesem Sinne identitätsstiftend für die Technische Universität Berlin?

Natürlich. Die beiden Institutionen sind miteinander verwoben und verschränkt wie die Stränge einer DNA: nicht nur durch die Übernahme der gesamten Sammlungen, der Geräte, der Ideen und des Personals der Bauakademie, als sie nach Charlottenburg zog, sondern auch durch die inhaltliche Verschränkung zwischen Ingenieurwissenschaften und Architektur, wie sie schon der Architekt und Leiter der Oberbaudeputation Karl Friedrich Schinkel und sein Freund, der Ingenieur Peter Christian Beuth, der als Leiter des Gewerbeinstituts die Direktorenstelle an der Bauakademie erhielt, gelebt haben. Diese beiden haben zusammen die Bauakademie aus der Taufe gehoben, haben um das Grundstück beim König gekämpft, ebenso wie um die Inhalte. In Forschung und Lehre sind sie eine interessante Symbiose eingegangen, wie sie noch heute in der Fächerstruktur der TU Berlin sichtbar ist. In unserer Universität lebt diese DNA also weiter.  

Über die Jahre haben sich bereits verschiedene Initiativen um die „Wiederauferstehung“ von Schinkels Bauakademie bemüht. Die TU Berlin war dabei keineswegs untätig …

Allerdings, die Bauakademie lebt jetzt schon. Wir haben sie im sogenannten Musterraum bereits vielfach wieder mit Leben erfüllt, mit Leben, das in die Zukunft weist. Großen Erfolg hatten wir zum Beispiel 2011 mit der Ausstellung „125 Jahre Architekturmuseum der TU Berlin“, 2015 hatten wir mit der großen Ausstellung „Museumsvisionen“, die wir zusammen mit Studierenden im Rahmen des Exzellenzclusters „TOPOI“ konzipiert hatten, Gelegenheit, die umfangreichen Sammlungen des Architekturmuseums der TU Berlin zu öffnen und die wertvollen Pläne zum Wettbewerb zur Erweiterung der Museumsinsel 1883/84 zu zeigen, oder Ende 2016, als wir die internationale Fachwelt und die Öffentlichkeit zu der Konferenz „All the Beauty of the World. The Western Market for non-European Artefacts“ eingeladen hatten, die die Handelswege nicht-europäischer Kunst diskutierte. Das alles fand im Musterraum der Bauakademie statt. 

Unsere Gäste, ob aus Deutschland, aus Frankreich, aus den USA oder anderswoher, haben sich wohlgefühlt, die Atmosphäre gespürt, die Aura, die von den Backsteinen, von den Holzfußböden ausgeht, die den Hauch der Geschichte atmen, aber auch Kreativität einfordern, Ideen für die Zukunft. Sie waren fasziniert von dem „Dschungel“, als der sich der Ort darstellt. Das ist überhaupt sehr wesentlich. Es soll hier nicht darum gehen, ein historisches Gebäude als bloßes Museumsstück wieder erstehen zu lassen, rückwärtsgewandt und mit der Aura des Vergangenen. Vielmehr soll es vor Vitalität sprühen, wild und einladend daherkommen und zu einer Art „Thinktank“ für die Zukunft der Architektur in unserer Stadt und darüber hinaus werden. Das ist unser Anspruch und unsere Verpflichtung. Der Geist von Pragmatismus und Innovation der Bauakademie, das ist unsere Matrix, unsere genetische Signatur. 

Vielen Dank!

Das Gespräch führte ­Patricia Pätzold

"TU intern" 7. April 2017

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