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TU Berlin

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Hochschulpolitik

Berliner Aufbruchsstimmung

Die Hochschulen und das Land Berlin haben die Hochschulverträge für die Jahre 2018 bis 2022 erfolgreich verhandelt

Interview mit TU-Präsident Christian Thomsen

Im Interview: TU-Präsident Christian Thomsen
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Längere Laufzeit, schnelles Verhandeln, mehr Geld: Ende März 2017 wurden die Hochschulverträge ausgehandelt. Womit kann die TU Berlin in den Jahren 2018 bis 2022 rechnen?
Prof. Dr. Christian Thomsen: Schon jetzt kann man sagen, dass die in intensiven Gesprächen mit unserem Staatssekretär ausgehandelten Hochschulverträge die besten sind, die die TU Berlin je verhandelt hat. Sie sind gegenüber den früheren Verträgen mit kontinuierlichen Aufwüchsen von jährlich 3,5 Prozent versehen, was eine gute Grundlage für unsere weitere Arbeit im Präsidium darstellt. Inhaltlich sind die Verträge auch umfangreicher und damit anspruchsvoller geworden. Das deute ich als Beleg für das positive Interesse des Landes an seiner hervorragenden Wissenschaftslandschaft. Geregelt sind neben dem finanziellen Aufwuchs auch die Verbesserung der Beschäftigungsbedingungen insbesondere für den wissenschaftlichen Mittelbau, ein Aufwuchs in der Lehrkräftebildung, eine gezielte Unterstützung der Universitäten für ihren Exzellenzverbundantrag, eine Stärkung der Digitalisierung und noch einige andere sogenannte Sondertatbestände, an denen das Land ein besonderes und berechtigtes Interesse hat. Zu dem Vertragswerk gehören auch eine verstärkte Durchlässigkeit für Promotionen von Fachhochschulabsolventen und gemeinsame Promotionen mit Fachhochschulen sowie strukturelle Besonderheiten, wie die Einrichtung der islamischen Theologie an der Humboldt-Universität, ein Institut für Friedensforschung an der Freien Universität oder eine systematische Ausstattung von Fachgebieten an den Fachhochschulen mit einer Viertelstelle wissenschaftlicher Mitarbeiter. All diese Sondertatbestände mit ihren neuen Aufgaben fallen finanziell ebenfalls unter die 3,5 Prozent der Mittel für die Hochschulverträge. Da die TU Berlin nicht an allen Themen beteiligt ist, fällt der Aufwuchs für uns etwas geringer aus, nämlich etwa 3,0 Prozent.

Vereinbart wurde ein umfangreicher Aufwuchs für die Lehrkräftebildung. Inwieweit wird das die TU Berlin tangieren?
Ein großer Teil der Mittel für Sonderaufgaben, nämlich etwa 70 Millionen Euro im Vertragszeitraum, fließt in die Lehrkräftebildung und damit zum größten Teil an die Freie Universität und die Humboldt-Universität. Die TU Berlin hat ja bedauerlicherweise vor einigen Jahren die Lehrkräftebildung fast ganz abgebaut und hat hier daher nur einen kleinen Aufwuchs von 1,5 Millionen Euro für den gleichen Zeitraum bekommen. Eine große Unsicherheit für alle Universitäten bleibt das Studierinteresse in diesen Fächern. Solange es nicht genügend Bewerberinnen und Bewerber für die entsprechenden Studiengänge gibt, ist es schwierig, die vereinbarten Absolventenzahlen zu erreichen. Wir bleiben hier aktiv, und unsere neue School of Education bleibt gefordert, mit erfolgreichen Konzepten für ein attraktives, sichtbares Studium zu werben, zum Beispiel auch mit dem „Quereinstiegs-Master“.

Die Verbesserungen bei Beschäftigungsbedingungen sowie eine Vergütungserhöhung für Lehrbeauftragte sind ebenso in den Verträgen festgeschrieben. Welche Neuerungen wird es hier geben?
Die Mindestvergütung für Lehraufträge ist erneut angehoben worden, und zwar von jetzt 24,50 Euro auf 35 Euro in 2018 und 37,50 Euro im Jahr danach. Ferner haben wir vereinbart, dass die Quote des dauerbeschäftigten Mittelbaus deutlich erhöht wird. Damit verbessern sich die Berufs- und Karriereperspektiven dieser für die Universitäten wichtigen Berufsgruppe enorm.

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Zusätzliche 28 Millionen Euro sollen in die Digitalisierung der Hochschulen fließen. Welche Maßnahmen sind hier vorgesehen und welche Pläne hat die TU Berlin?
Konkrete Maßnahmen sind hier in den Verträgen nicht vereinbart worden. Aber wir werden als TU Berlin noch viel mehr als bisher in die Weiterentwicklung digitaler Konzepte in Forschung, Lehre und Verwaltung investieren. Unser kürzlich eröffnetes Einstein Center Digital Future zeigt, wie breit sich die Digitalisierung in allen gesellschaftlichen Bereichen auswirkt. Als moderne Universität werden wir das Thema stetig weiterentwickeln.

Das Land und die Berliner Hochschulen wollen künftig eine direkte Immatrikulation in Einführungs- und Orientierungsstudien ermöglichen. Damit ist die Entwicklung neuer Formate der Studien­eingangsphase gemeint. Steht das TU-Orientierungsstudium „MINTgrün“ Pate und was will man in den nächsten Jahren für Berlin entwickeln?
Ja, da waren wir Pate. In der Tat ist unser Orientierungsstudium, bei dem man aus der ganzen Universität Module auswählen kann, ein Erfolgsmodell. Bundesweit gibt es auch großes Interesse an unserem Modell, wie die Tagung im vergangenen Herbst mit fast 100 Teilnehmern aus Deutschland gezeigt hat. Viele Studienanfängerinnen und Studienanfänger hat es in ihrem ersten Hochschulsemester deshalb an die TU Berlin gezogen. In den nächsten Jahren müssen wir es schaffen, dass der Übergang vom Orientierungsstudium in das reguläre Studium statistisch nicht als ein Studiengangwechsel gezählt wird. Das ist nur ein formaler Punkt, aber er wird in Zukunft wichtiger werden.
Wir standen auch an anderer Stelle Pate: Es wird nämlich in Zukunft an allen Hochschulen Berlins möglich sein, an zentraler Stelle einen Pool für flexible Strukturanpassungen und Innovation zu schaffen. Da waren wir mit unseren Innovationsprofessuren Vorbild.

Bei den sogenannten Sondertatbestän­den spielen die Bauakademie und das Humboldt Forum auch eine Rolle. Was konnte hier verhandelt werden und wie betrifft es die TU Berlin?
Die Bauakademie ist seit vergangenem Dezember mein Herzensprojekt geworden. Nach der für alle überraschenden Bereitstellung von erheblichen Mitteln des Bundes für deren Wiederaufbau haben wir uns mit einem modernen Betriebskonzept dafür aufgestellt. In unserer Vorgängereinrichtung in der Mitte Berlins, der von Schinkel errichteten Bauakademie, wollen wir eine moderne und internationale Agora der Architektur betreiben. Das kostet natürlich auch Geld, das wir in den Verträgen zugesichert bekommen haben.
Beim Humboldt Forum werden in Zukunft alle Universitäten beteiligt sein. Wie das genau aussehen wird, ist noch nicht bestimmt, aber es freut uns, dass die HU Berlin einer Beteiligung der anderen Universitäten bei der Zurschau-stellung von Wissenschaft in Berlin grundsätzlich offen gegenübersteht.

Die Hochschulverträge sind noch nicht unterzeichnet. Wie geht es weiter?
Die ausgehandelten Verträge laufen jetzt durch die Mitzeichnung der anderen Senatsverwaltungen und müssen dann im Senat und im Abgeordnetenhaus beschlossen werden. Erst dann kann unterschrieben werden, ich erwarte aber keine großen Änderungen in diesem Prozess.

Die Fragen stellte Stefanie Terp

Stefanie Terp, "TU intern" 7. April 2017

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