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EIN-Blick für Journalisten

"Hip Hop war das Gegenteil von Gewalt"

Montag, 08. Oktober 2007

Wie die Latino-Musik sich in New York entwickelte

Hip-Hoper
Hip-Hoper
Lupe

Der Hip Hop entstand bekanntlich in den "Ghettos" amerikanischer Großstädte. Es waren allerdings nicht nur schwarze Jugendliche, die in verfallenen Fabrikgebäuden ihre eigenen Parties veranstalteten und eine neue Musik und neue Tanzformen entwickelten. Es waren auch viele Amerikaner mit lateinamerikanischen Wurzeln unter ihnen, insbesondere unter denn Breakdancern. "Die Wurzeln dieser Kultur liegen ganz klar in der Bronx, genauer in der Südbronx. Man kann sie zurückverfolgen bis Anfang beziehungsweise Mitte der 70er Jahre", erklärt die Romanistin und Stadtforscherin Dr. Susanne Stemmler. Sie befasst sich im Zentrum für Metropolenforschung der TU Berlin unter anderem mit "Hip Hop", "Latin Music" und "Rap" als urbanes Phänomen. Im Haus der Kulturen der Welt organisierte sie kürzlich im Rahmen der New-York-Tage eine Veranstaltungsreihe zu den "Sounds of New York", an der auch Filmemacher, Musiker und DJs aus New York teilnahmen.

"Es gab eine große Gemeinde von Latino-Einwanderern in der Südbronx, ebenso wie eine große African-American-Community. In diesem durchaus nicht unproblematischen Gemisch entstand zuerst die Breakdancer-Szene", erklärt Susanne Stemmler. Die Szene habe sich eigentlich aus dem Ausschluss eines großen Teils der jungen Menschen entwickelt, dem Ausschluss aus den Diskotheken zum Beispiel in Manhattan, deren Preise sie sich nicht leisten konnten. So feierten sie ihre eigenen Partys auf der Straße und entwickelten ihre eigene Musik. Der Zusammenhang von Hip Hop und Gewalt sei übrigens auch nicht ursprünglich angelegt, sondern eine Entwicklung, die erst in den letzten fünf Jahren stattfand. Anfang der 80erJahre, in der Hochzeit des Hip Hop versuchte man im Gegenteil, mithilfe der Musik, die Leute aus den Street-Gangs herauszuholen, die unterschwellig brodelnde Gewalt in etwas Kreatives umzuwandeln. "Damals brannte jeden Tag ein Haus", erklärt Susanne Stemmler, "es gab keine ausreichende Infrastruktur, keine höhere Bildung für einen Großteil der Einwohner, schon gar keinen Musikunterricht." Hip Hop sei deshalb damals eher so etwas wie eine Gegenbewegung gewesen.

Erst als das Ganze in den Mainstream übernommen wurde, die Kommerzialisierung einsetzte, spielte auch die Gewalt in den Texten eine Rolle. "Die meisten Hip Hop-DJs in New York", so Stemmler, "möchten mit dieser Art Botschaft und Musik nicht mehr in Verbindung gebracht werden."

pp

Kontakt zur Wissenschaftlerin

Dr. Susanne Stemmler
Center for Metropolitan Studies (CMS)
TU Berlin
Ernst-Reuter-Platz 7
10587 Berlin
Tel: +49 (0)30 314-28400, -28401

www.metropolitanstudies.de/?id=76

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