direkt zum Inhalt springen

direkt zum Hauptnavigationsmenü

Sie sind hier

TU Berlin

Inhalt des Dokuments

Forschung

UFOs über dem Tempelhofer Feld

Stadtklima im Wandel – mit Gleitern, Hexakoptern, Fahrrädern und zu Fuß sammeln Klimaforscher derzeit Berliner Daten

Der mit Messgeräten ausgestattete Gleiter der Projektpartnerin Universität Augsburg startete auf dem Tempelhofer Feld.
Lupe

Wind wird in Bodennähe stärker als in der Höhe abgebremst – normalerweise. Doch in der Stadt ist alles anders. „Unsere Messungen aus dem letzten Sommer zeigten das Gegenteil“, erklärt Dr. Ute Fehrenbach, Wissenschaftlerin im TU-Fachgebiet Klimatologie, das unter Leitung von Prof. Dr. Dieter Scherer das umfangreiche, mit 13 Millionen Euro geförderte BMBF-Vorhaben „Stadtklima im Wandel [UC]²“ („Urban Climate Under Change“) koordiniert. In dessen rund 30 Teilprojekten entwickeln universitäre und außeruniversitäre Partner ein innovatives Stadtklimamodell und überprüfen dieses mit Hilfe von Messdaten und Daten aus dem Windkanal. Es soll – unter anderem Stadtplanern – ein wissenschaftlich fundiertes, praxis­taugliches Instrumentarium an die Hand geben, um die mit dem Klimawandel und Luftbelastungen einhergehenden Probleme in Ballungsräumen und Großstädten zu bewältigen.

„Die Ursache beispielsweise für die veränderten Winddaten ist die windabschwächende Wirkung von Gebäuden und Bäumen in der Stadt“, erklärt Ute Fehrenbach. Bisherige Stadtklimamodelle sind meist zu grobmaschig und können dieses Phänomen bislang nicht nachvollziehen. Mit dem neuen Stadtklimamodell „PALM-4U“ soll sich das ändern.

„Die vorhandenen Modelle sind nicht in der Lage, einzelne Gebäude oder Bäume zu berücksichtigen“, erklärt Ute Fehrenbach. „Schwierigkeiten bereitet vor allem die Berechnung, wie die Luft an Gebäuden oder Bäumen verwirbelt wird, selbst wenn dies – es gibt Simulationen aus Windkanalversuchen – detailgetreu abgebildet wird.“ 

Im Stadtgebeit werden Messgeräte auch an Bäumen befestigtDer mit Messgeräten ausgestattete Gleiter der Projektpartnerin Universität Augsburg startete auf dem Tempelhofer Feld.
Lupe

Um sich zunächst Klarheit über die Auswirkungen der sich wandelnden Klimaphänomene auf das Stadtklima zu verschaffen, über Veränderungen von Temperaturen, Luftfeuchtigkeit, Verwirbelungen von Winden, die Verbreitung von Feinstaub und vieles andere, sammeln die Forscher*innen am Boden und in der Luft vielfältige Daten. Soeben haben sie in Berlin ihre dritte sogenannte Intensivmesskampagne durchgeführt. „Dafür reisen unsere Partner, zum Beispiel von den Universitäten Hannover, Augsburg und Braunschweig, mit unterschiedlichen, zum Teil in ihren Teilprojekten entwickelten Messgeräten an.“

Die „Winterkampagne“ fand rund um den Ernst-Reuter-Platz, an der Rothenburgstraße in Steglitz und auf dem Tempelhofer Feld statt. Mit Sensoren ausgerüstete unbemannte Flugobjekte, Gleiter, starteten vom Tempelhofer Feld, auf Fahrrädern waren weitere Forscher*innen unterwegs – die Instrumente auf dem Rücken und am Fahrrad.

Eine Schwierigkeit, vor allem auch für die Planung der Partner, die außerhalb Berlins ihren Standort haben, ist die Festlegung, wann genau die Messungen stattfinden können. Das ist oft nicht auf den Tag genau festzulegen, denn es hängt sehr stark vom Wetter ab. Messungen fanden auch auf dem Gelände in der Rothenburgstraße in Steglitz statt, wo das Fachgebiet Klimatologie ansässig ist. „An Masten und Bäumen befestigte Messgeräte lieferten uns Daten aus verschiedenen Luftschichten über der Erdoberfläche, zum Beispiel auch Winddaten“, erzählt Ute Fehrenbach. „Damit können wir Horizontalprofile entlang der Straße und Vertikalprofile auf dem Gelände von Lufttemperatur und -feuchte sowie dem Wind erstellen.“ Mit den aktuellen Messdaten und denen aus Winter und Sommer 2017 wird nun das neue Stadtklimamodell „PALM-4U“ unter sommerlichen und winterlichen Witterungsbedingungen überprüft. Für die weitere kontinuierliche Observierung atmosphärischer Prozesse finden derzeit Bauarbeiten statt: „Auf unserem Gelände in der Rothenburgstraße wird demnächst ein 40 Meter hoher, stabiler Mast stehen, mit dessen Hilfe wir lufthygienische und Niederschlags-Parameter erfassen sowie ein dreidimensionales Windfeld erstellen können. Das Fundament ist schon gegossen.“   

www.klima.tu-berlin.de

Patricia Pätzold, "TU intern" 16. Februar 2018

Zusatzinformationen / Extras

Direktzugang

Schnellnavigation zur Seite über Nummerneingabe

Diese Seite verwendet Piwik für anonymisierte Webanalysen. Mehr Informationen und Opt-Out-Möglichkeiten unter Datenschutz.