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TU Berlin

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Forschung

Jenseits vom Lärm

Bürgerbeteiligung für eine Landkarte ruhiger Orte: Die „Hush City App“ soll Daten sammeln und ruhige Zonen in der Stadt für alle identifizieren

Die Lärmforscherin Antonella Radicchi ist IPODI-Stipendiatin
Lupe [1]

Lärm, insbesondere Verkehrslärm, ist nach der Luftverschmutzung der schädlichste Umwelt-Stressfaktor in Europa, stellte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bereits 2011 fest. In Europa sind 125 Millionen Menschen jährlich von Verkehrslärm betroffen. Die Auswirkungen reichen von Schlafstörungen und Herz-Kreislauf-Problemen bis zu vorzeitigen Todesfällen. Bereits 2002 wurde daher die European Environmental Noise Directive entwickelt, um in den Mitgliedsstaaten die Lärmentwicklung zu reduzieren und zu vermeiden sowie „Ruhezonen“ gezielt zu planen. Die TU-Wissenschaftlerin und Lärmforscherin Dr. Antonella Radicchi hat eine App entwickelt, die sie einsetzt, um die Klangqualität öffentlicher Räume zu verbessern und die schädlichen Einflüsse der Lärmverschmutzung in Berlin zu reduzieren – dafür benötigt sie noch die Mithilfe vieler App-Nutzerinnen und -Nutzer.

„Eine Wissenschaft, die Bürgerinnen und Bürger beteiligt, ist ideal, um die komplexe Natur der klanglichen Umwelt in ihren objektiven und subjektiven Dimensionen zu verstehen“, erklärt Antonella Radicchi. „Die weite Verbreitung von Mobiltelefonen, die mit GPS ausgerüstet sind, erleichtert das umfangreiche Sammeln von Daten zu Geräuschkulissen.“ Das inspirierte die Stadtplanungsarchitektin und Lärmforscherin Antonella Radicchi, im Projekt „Beyond the Noise: Open Source Soundscapes“ eine App zu entwickeln, die mit Hilfe möglichst vieler Nutzerinnen und Nutzer helfen soll, eine „Landkarte der Ruhe“ zu erstellen. Sie wird von der EU und im Rahmen des Marie-Curie-Programms gefördert. Die „Hush City App“ ist im Apple und im Google Store kostenlos downloadbar.

Antonella Radicchi ist Stipendiatin der International Post-Doc Initiative (IPODI), die im Rahmen der Initiative „Wissenschaftlerinnen an die Spitze“ an der TU Berlin entstand und hoch qualifizierten Forscherinnen zwei Jahre lang Raum zur Forschung bietet.

„Mit der App können die User entweder ruhige Orte, ,everyday quiet areas‘, in ihrer eigenen Umgebung markieren oder auch ,everyday quiet spots‘ identifizieren, die andere User in der Nähe markiert haben“, erklärt Antonella Radicchi die Idee und Funktionsweise der App. Man kann Klänge der Umgebung aufnehmen, messen, den Ort fotografieren und weitere Informationen zu dem erfassten ruhigen Ort geben. Die gemessenen Lärmpegel sind hinreichend genau, um die jeweilige Lärm-umgebung gut zu erfassen.

Wissenschaftlich betreut wird das Projekt von Prof. Dr. Dietrich Henckel, TU-Fachgebiet Stadt- und Regionalökonomie, in Zusammenarbeit mit der Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz. Die App wurde mit zwei Software-Unternehmen entwickelt.

„Die Hush City App ist frei verfügbar und läuft auf iOS- wie auch auf Android-Geräten“, erklärt Antonella Radicchi und ergänzt: „Jeder und jede kann mitmachen und Teil dieses Citizen-Science-(Bürgerwissenschafts-)Projekts werden. Alle können dazu beitragen, diese weltweite Karte der Ruhe aufzubauen!“    

antonella.radicchi@tu-berlin.de [2]
www.opensourcesoundscapes.org/hush-city [3] 

Patricia Pätzold, "TU intern" 18. Juli 2017
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