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TU Berlin

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Forschung

Einer von uns?!

Unter welchen Bedingungen der Mensch den Roboter als etwas Belebtes ansieht

Auch Roboter „Pepper“ hat ein menschliches Gesicht
Lupe

Sie verwenden zwar den gleichen Begriff, aber Soziologen verstehen unter Interaktion zwischen Mensch und Roboter etwas anderes als Ingenieure und Informatiker. „Wir Soziologen“, sagt Dr. Diego Compagna, „sprechen erst dann von einer Mensch-Roboter-Interaktion, wenn sich beide in einem gegenseitigen Erwartungsgeflecht befinden würden.“ Beispiel: Wer zum Bäcker geht, erwartet, dass man dort Backwaren kaufen kann. Umgekehrt erwartet der Bäcker von seinem Kunden, dass er das auch will und dafür bezahlt. „Eine solche Erwartungshaltung setzt jedoch ein Bewusstsein voraus, wovon Roboter noch weit entfernt sind“, so Diego Compagna.

Er arbeitet am MTI-FabLab an der TU Berlin, einem Labor zur Erforschung der Mensch-Roboter-Interaktion (MRI). Noch sind in dieser wissenschaftlichen Community nur wenige Soziologen zu finden. Die unterschiedliche Begrifflichkeit von Technikern und Soziologen ist sicherlich eine Ursache dafür. Um sich einen Zugang zur Mensch-Roboter-Interaktion zu verschaffen, geht die Soziologie davon aus, dass der Mensch dem Roboter menschenähnliche Kompetenzen zubilligt. „In der Soziologie sprechen wir dann von Anthropomorphisierung“, erklärt Diego Compagna. Ihn interessiert, unter welchen Bedingungen dies geschieht, also der Mensch den Roboter als etwas Belebtes ansieht. Das ist ein Strang seiner Arbeit. Dabei fanden er und seine Kollegen heraus, dass eine als gesichert geltende Erkenntnis in ihrer Generalisierung vielleicht revidiert werden muss. „In der Literatur wird beschrieben, dass ein wie auch immer gearteter Blick – simuliert als Lämpchen oder Gesicht – und eine wahrnehmbare Blickrichtung des Roboters wichtig seien für das Agieren des Menschen mit dem Roboter. Bei dem Roboter, mit dem wir experimentierten, spielte das aber keine Rolle für die Interaktion, die darin bestand, einen Apfel zu übergeben. Da war entscheidend, dass die Bewegungen des Roboters zielgerichtet, flüssig und nicht allzu langsam waren. Dass der Blick eines Roboters per se wichtig ist, können wir also nicht bestätigen“, sagt Compagna.

Bei diesen Experimenten beobachtete er, dass die Probanden bereit waren, auf schlenkernde Bewegungen des Roboters kompensierend zu reagieren, damit die Übergabe nicht scheiterte. Das führte ihn zum zweiten Strang seiner Forschungen – zu untersuchen, inwiefern eine bahnbrechende Entdeckung des US-Soziologen Harold Garfinkel (1917–2011) auch für die Mensch-Roboter-Interaktion angewendet werden kann. Garfinkel fand heraus, dass nicht Regeln den sozialen Umgang bestimmen, sondern die Fähigkeit, Regelverletzungen beziehungsweise nicht eingetretene Erwartungen, also krisenhafte Situationen in einer Kommunikation, zu reparieren. „Da Erwartungen niemals hundertprozentig erfüllt werden, weil der Mensch eben keine Maschine ist, ist die Kommunikation zwischen Menschen stets krisenhaft. Aber offensichtlich ist der Mensch willens, diese Krisen zu beheben, damit eine Kommunikation/Interaktion stattfindet. Er verfügt über ein großes Arsenal an Reparaturstrategien“, erzählt Compagna. „Ob er diese auch in der Mensch-Roboter-Interaktion anwendet, interessiert mich.“

Dafür forscht Compagna mit Robotern, sogenannten sozialen beziehungsweise kommunikativen wie „Pepper“ oder „Nao“. Sie sind figürlich, haben ein Gesicht und verfügen in Ansätzen über Fähigkeiten – wie Sehen und Hören.   

Sybille Nitsche, "TU intern" 18. Juli 2017

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