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TU Berlin

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Forschung

Auf der Suche nach dem perfekten Klang?

Um die optimale Akustik in dem geplanten neuen Konzerthaus in München kümmert sich Stefan Weinzierl, TU-Professor für Audiokommunikation

So soll das neue Konzerthaus aussehen. Eine Herausforderung auch für die Gestaltung der Akustik
Lupe

Den Effekt kennt jeder aus seinem eigenen Badezimmer: Da klingt die eigene Singstimme unter der morgendlichen Dusche plötzlich nach Star-Qualität. „Schuld ist die Akustik“, weiß Prof. Dr. Stefan Weinzierl. Der Akustiker spricht in dem Fall von dem Stärkemaß. „Damit ist das Maß gemeint, mit dem der Raum die Töne verstärkt.“

Wird ein ganz neues Konzerthaus gebaut – wie derzeit in München in Planung –, sollte man davon ausgehen, dass die Akustik von Anfang an ein wesentlicher Teil der Planung ist. „So ist es aber nur in den seltensten Fällen“, weiß Stefan Weinzierl, der neben seinem Physikstudium auch ein Studium zum Tonmeister absolvierte. „In der Regel wird sequenziell vorgegangen: Zuerst planen die Architekten den Bau und dann erst gibt es eine akustische Ausschreibung, die dann mit der vorgegebenen Architektur arbeiten muss.“

Für das neue Konzerthaus in München, bei dem Ende Oktober der Architekturwettbewerb entschieden wurde, hat die Stadt München nun Stefan Weinzierl als akustischen Berater engagiert. Er wird die akustischen Anforderungen für eine Ausschreibung konkretisieren und bei der Auswahl des akustischen Planungsbüros beraten. „Zuerst frage ich die Anforderungen aller Beteiligten an die Akustik ab, also der Musiker, der Dirigenten und der Veranstalter. So ist es für die Musiker zum Beispiel wichtig, sich gegenseitig gut zu hören, während die Veranstalter vielleicht eher interessiert, dass auf allen Besucherplätzen möglichst gleich gut gehört wird“, erläutert Prof. Weinzierl. „Diese Anforderungen müssen in der Ausschreibung klar definiert werden. In der Regel geschieht das mit einem Satz aus akustischen Messwerten, welche die Nachhallzeit, die Lautstärke, die Deutlichkeit oder den Grad an akustischer „Einhüllung“ beschreiben.“

Je nach Bedarf kann so eine Raumakustik zum Beispiel durch sogenannte Nachhallreservoirs an unterschiedliche Nutzungen variabel angepasst werden. Das bedeutet, dass hinter dem sichtbaren Raum noch ein nichtsichtbarer Raum liegt, der geöffnet oder geschlossen werden kann. „Für ein großes Orchester würde man vielleicht einen sakral leicht überhöhten Klang wählen und den akustischen Raum vergrößern. Ein Streichquartett klingt dagegen intimer in einem akustisch kleinen Raum“, erklärt Prof. Weinzierl.

Insgesamt ist die oft beschworene „perfekte Akustik“ aber ein sehr subjektiver Begriff, das belegen viele Untersuchungen, die Weinzierl in seinem Fachgebiet Audiokommunikation durchgeführt hat. Je nachdem, welche Hörer welche Musik in welcher instrumentalen Besetzung hören, kann es ganz unterschiedliche Präferenzen zur Akustik des Raums geben. „Um die Raumakustik rankt sich viel Mystik. Zwar gibt es zahlreiche Parameter, die sie messbar beeinflussen, aber wie genau Raumakustik wahrgenommen wird, ist sehr individuell.“ Und die Suche nach dem „perfekten Klang“ kann auch kontraproduktiv sein: „Genau wie die Vielfalt verschiedener musikalischer Interpretationen kann auch die Vielfalt verschiedener Konzertsäle spannender sein als die Perfektion“, so Stefan Weinzierl.

Katharina Jung, "TU intern" 15. Dezember 2017

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