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TU Berlin

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Forschung

80 Brücken für Berlin

Mike Schlaich geht mit der 6. Internationalen Fußgängerbrücken-Konferenz an der TU Berlin neue Wege

Der Siemenssteg in Berlin-Charlottenburg ist ausschließlich eine Fußgängerbrücke. Die Bogenbrücke, 1899 bis 1900 gebaut, wurde im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört, da sie keine strategische Bedeutung hatte, und ist heute ein Baudenkmal
Lupe

„Das sind 80 Entwürfe für Berliner Brücken. 80! Von Bauingenieuren, Architekten und Künstlern aus der ganzen Welt! Und wir haben 300 Anmeldungen für die sechste Footbridge Conference im September an der TU Berlin. Alles, was Rang und Namen hat, wird kommen!“ Mike Schlaich versucht zwar, seine Freude zu beherrschen, aber jeder seiner Sätze ist ein Ausrufezeichen. Man spürt: Hier ist einer im Glück.

Warum der TU-Professor für Entwerfen und Konstruieren – Massivbau über diese Zahlen so happy ist, versteht man, wenn man die Geschichte hinter diesen Zahlen kennt und weiß, welches Wagnis er eingegangen ist. Angefangen hat alles mit dem Satz: „Mike, mach du jetzt mal die Konferenz!“ Das Ansinnen war nach der 5. Fußgängerbrücken-Konferenz in London 2014 an ihn herangetragen worden. Auch wenn es von geschätzten Kollegen geäußert worden war und Anerkennung daraus sprach, Mike Schlaich hatte immer gehofft, dass der Kelch, eine Konferenz zu organisieren, an ihm vorübergehen würde. Denn das ist eine Mordsarbeit. Da er sich dem aber mit guten Gründen nicht wirklich entziehen konnte, sagte er sich: Wenn eine Konferenz, dann eine etwas andere. Er wagte ein Experiment.

Er lud weltweit Bauingenieure, Architekten, Landschaftsplaner, Künstler und Lichtdesigner zur „6th International Footbridge Conference“ ein mit der Bitte, nicht einen Vortrag einzureichen, sondern eine Brücke für die Hauptstadt zu entwerfen. Ein absolutes Novum für eine Konferenz. Normalerweise laufen Tagungen von Bauingenieuren nach der immer gleichen Dramaturgie ab. Es gibt Poster. Es gibt Papers. Es gibt Keynote Lectures. In den Vorträgen türmen sich Zahlen und Formeln. Dieser Dramaturgie wollte Schlaich einen etwas anderen Drive geben.

Die Idee, für Berlin Brücken zu entwerfen, kam nicht von ungefähr. Die Stadt hat an Fußgängerbrücken wenig zu bieten. Schlaich fragte bei der Senatsbauverwaltung an, ihm Orte zu nennen, an denen eine Fußgängerbrücke nötig wäre. Die fand die Idee reizvoll und nannte sechs.

Das zweite Novum: Mike Schlaich bat, Vorträge nicht als technische Abhandlung aufzubauen, sondern zu erzählen, wie ein Entwurf entstanden ist, in welcher Tradition er steht, von wem oder wovon er inspiriert ist, warum diese Form, dieses Material. Er bat: Erzählt eine Geschichte! „Wir Bauingenieure haben wenig Übung darin, Einblicke in unsere Gedankenwelt zu gewähren. Wenn wir einen Vortrag halten, dann geht es oft nur um technische Parameter“, sagt Schlaich. „Aber ich möchte eine andere Debattenkultur anstoßen. Ich möchte, dass Bauingenieure sich bewusst werden, welch großen Beitrag sie zur Baukultur leisten und dass wir mehr als Statiker sind.“ Die Gründe dafür sind handfest: „Wenn Sie einen Bauherrn dafür gewinnen wollen, dass er Ihre Brücke bauen soll, dann können Sie nicht nur mit Zahlen hantieren. Da brauchen Sie eine überzeugende Geschichte, die Ihre Brücke besonders macht“, sagt Mike Schlaich, der viele Brücken entworfen und gebaut hat und dafür ausgezeichnet wurde.

Das Experiment war mit dem -Risiko behaftet, dass seine Idee in der Brückenbau-Community krachend durchfallen und die Anmeldungen ausbleiben würden. Denn eine Brücke lediglich für eine Konferenz zu entwerfen, für die es keine Garantie gibt, dass sie je gebaut wird, und einen Vortrag anders als gewohnt, zu halten, muss man ja nicht gut finden. Doch nun sind 80 Entwürfe und 150 Brücken-Geschichten eingegangen. Einer schrieb, dass er sich über diese Neuerung freue, die das Routineformat der Konferenzen positiv störe. Schlaich hat offensichtlich einen Nerv getroffen. Die Brückenentwürfe werden während der Konferenz auf einer Bühne in der Peter-Behrens-Halle erstmals präsentiert. Von einer sechs Meter hohen Fußgängerbrücke kann man dem Konferenztreiben zuschauen. Bühne, Brücke und auch einen Chill-Raum entwerfen TU-Studierende des Bauingenieurwesens eigens für die Tagung. Zudem werden alle Entwürfe in einem Buch publiziert. Es soll an die Konferenz der etwas anderen Art erinnern und wird ein einzigartiges Dokument sein über das derzeit vorhandene Wissen zum Fußgängerbrückenbau.

Anmeldung zur Konferenz unter: www.footbridge2017.com

Sybille Nitsche, "TU intern" 18. Juli 2017

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