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TU Berlin

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Forschung

Junge Wissenschaft

Dienstag, 18. Dezember 2012

Tunesische Gesten

In einer Serie stellen wir in TU intern die Forschungen junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an der TU Berlin vor.

Jemandem die Handfläche kitzeln, das Ohr „vergrößern“ oder sich auf das linke geschlosse Auge schlagen – das sind Beispiele für Gesten in der alltäglichen nonverbalen Kommunikation an tunesischen Schulen. Wie die Gesten vollführt werden und was sie bedeuten, hat Chaouki Kacem (35) in seiner Dissertation „Gestenverhalten an deutschen und tunesischen Schulen“ untersucht. Kacem leistete mit dieser Arbeit in vielerlei Hinsicht Pionierarbeit. „Tunesische Gesten waren noch nie Gegenstand der Forschung“, sagt der Sprachwissenschaftler, der am Sprachenhochschulinstitut in Tunis Deutsch als Fremdsprache und an der Humboldt-Universität Berlin unter anderem Germanistische Linguistik studierte und zurzeit Grammatik, Phonetik und Wirtschaftsdeutsch an der Universität Mahdia in Tunesien lehrt. Er untersuchte 69 tunesische Gesten, „die sprachersetzend, weniger sprachbegleitend sind“, so Kacem. Er klassifizierte sie in acht Gruppen, versuchte, ihre Herkunft zu erklären, und analysierte sie hinsichtlich ihrer kommunikativen Bedeutung. Denn Kacem konnte nachweisen, dass die Gesten alle eine Intention des Senders beinhalten, der beim Adressaten eine Reaktion hervorrufen will. Die Gesten fungieren also als Zeichen, die eine Nachricht transportieren.
Chaouki Kacem analysierte jede Geste nach der Sprechakttheorie von John R. Searle – also ihre Bedeutungs- und Gebrauchsvarianten, die Aktion der Geste (mitteilen, auffordern, Gefühle aussprechen, drohen, etwas versprechen), das Resultat der Geste und die sie eventuell begleitende Sprache. Das Verdienst der Arbeit ist, dass tunesische Gesten nun erstmals linguistisch und semiotisch erfasst sind. Entstanden ist ein Lexikon, das weiter gehende Forschungen zur nonverbalen Kommunikation in Tunesien eröffnet. Die Dissertation wurde an der Arbeitsstelle für Semiotik am Institut für Sprache und Kommunikation der TU Berlin vorgelegt.

Sybille Nitsche / Quelle: Hochschulzeitung "TU intern", 12/2012

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