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TU Berlin

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Standpunkte

Buchtipp: Differenz zum Verlorenen

Donnerstag, 16. Dezember 2010

Der jüngste Band "Denkmalpflege statt Attrappenkult" aus der Reihe "Bauwelt Fundamente"

Lupe

Der jüngste Band "Denkmalpflege statt Attrappenkult" aus der Reihe "Bauwelt Fundamente" beschäftigt sich mit einer Debatte, die sowohl in der Öffentlichkeit als auch in der Fachwelt kontrovers geführt wird. Sie betrifft den Umgang mit Baudenkmälern – das Thema, mit dem sich auch der Beitrag von Adrian von Buttlar in der TU intern-Rubrik "Standpunkte" auseinandersetzt.

Die Buchpremiere fand am 1. Dezember 2010 im Architekturgebäude der TU Berlin vor etwa 250 Gästen statt. Ulrich Conrads, der Doyen der deutschen Architekturpublizistik und Gründer der renommierten Reihe mit Texten zur internationalen Architekturmoderne, die er seit 1963 gemeinsam mit Peter Neitzke herausgibt, kritisierte in seiner Eröffnungsrede mit feiner Ironie die aktuellen Auswüchse der Retro-Mentalität. Gabi Dolff-Bonekämper, Professorin für Denkmalpflege am TU-Institut für Stadt- und Regionalplanung, und Adrian von Buttlar, Professor am TU-Institut für Kunstwissenschaft und Historische Urbanistik, stellten die Anthologie vor, die sie gemeinsam mit vier weiteren Denkmal-Experten verfasst haben: Johannes Habich, ehemals Landeskonservator in Schleswig-Holstein, skizziert in seinem Einführungsessay den Stand der Rekonstruktionsdebatte und spannt einen erläuternden Bogen über die fünf Kapitel. Georg Mörsch, von 1980 bis 2005 Professor und Direktor des Instituts für Denkmalpflege an der ETH Zürich, der mit seinen Beiträgen zur substanzorientierten Denkmalpflege die Denkmalwissenschaft nachhaltig geprägt hat, definiert anhand seiner Textauswahl die Denkmalwerte und begründet die Unersetzlichkeit der materiellen Überlieferung. Achim Hubel, seit 1981 Professor für Denkmalpflege am Institut für Archäologie, Denkmalkunde und Kunstgeschichte der Universität Bamberg, übernimmt die Rolle, den schwierigen Kampf um die Durchsetzung dieser "Essentials2 in der Geschichte der modernen Denkmalpflege durch Quellentexte zu belegen. Michael S. Falser, derzeit Research Fellow am Exzellenzcluster "Asia and Europe in a global context" an der Universität Heidelberg, wurde 2006 im Rahmen des DFG-Graduiertenkollegs "Kunstwissenschaft, Bauforschung, Denkmalpflege" an der TU Berlin mit einer brisanten Arbeit zur politischen Geschichte der Denkmalpflege in Deutschland promoviert. Er untersucht unter dem Titel "Ausweitung der Kampfzone" Kritik und Entgrenzung des denkmalpflegerischen Auftrages infolge der kulturphilosophischen und soziologischen Diskurse der 1960er- bis 1980er-Jahre. Gabi Dolff-Bonekämper, Expertin für Kulturerbetheorie und Erinnerungstopografie, befasst sich aus der Perspektive der Akteure mit der sozialen Dekonstruktion beziehungsweise „Rekonstruktion" des Denkmals, die seiner physischen Vernichtung und seiner umstrittenen Simulation vorausgehen. Hier knüpft Adrian von Buttlar als Architekturhistoriker mit der Frage nach der Möglichkeit einer Erinnerungsarchitektur an, die – etwa in Form einer "kritischen Rekonstruktion" – die unausweichliche Differenz zum Verlorenen reflektiert und kreativ verarbeitet. Beispielhaft zeigt der komplexe Zugriff auf das höchst aktuelle Thema die Notwendigkeit interdisziplinärer Kooperation der Geistes-, Sozial-, Planungs- und der für die "Machbarkeit" zuständigen Technikwissenschaften.

Quelle: "TU intern", 12/2010

Denkmalpflege statt Attrappenkult. Gegen die Rekonstruktion von Baudenkmälern – eine Anthologie (hrsg. von Adrian von Buttlar, Gabi Dolff-Bonekämper et al.), Birkhäuser Verlag Basel, 2010, 218 S., 24,90 Euro

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