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TU Berlin

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Forschung

Das Wissen der Kunst, der Literatur und der Lebenspraxis

Donnerstag, 16. Dezember 2010

Noch 110 Jahre nach seinem Tod gilt Friedrich Nietzsche als zu entdeckender Kontinent

Lupe

Ist Philosophie im Zeitalter der Wissensexplosion und einer sich permanent erweiternden Spezialisierung an technischen Universitäten überhaupt noch möglich? Eine Antwort auf diese Frage gibt das Institut für Philosophie, Literatur-, Wissenschafts- und Technikgeschichte der TU Berlin durch seine konkrete Arbeit. Die heutige Wissensgesellschaft stellt Fragen nach der Einheit und Differenz von mannigfaltigen Formen des Wissens. Damit ist nicht nur wissenschaftliches Wissen gemeint, sondern auch jenes der Kunst, der Literatur, der Lebenspraxis. Antworten auf diese neue Unübersichtlichkeit und Komplexität können die TU-Philosophen nur fakultätsübergreifend, inter- und transdisziplinär geben. Zu diesem Zweck wurde 2008 das "Innovationszentrum Wissensforschung" (IZW) gegründet, dessen Direktor Prof. Dr. Günter Abel ist.

Vier Teilprobleme bestimmen die Forschungsarbeit, wobei Günter Abel mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern speziell den "Bedingungen von Wissen" nachspürt.

Beispielsweise widmet sich die Ringvorlesung "Farb-Wissen: Entwicklung, Stand und Herausforderungen" dem Phänomen, wie Farben den Menschen auf höchst unterschiedliche Weise – lebenspraktisch, künstlerisch und wissenschaftlich – inspiriert haben.

Die Frage nach der Interpretation der Wirklichkeit, oder genauer gesagt: das Wissen darüber, dass unser Erkennen immer Interpretation ist, gehört zu den philosophischen Grundannahmen Günter Abels. Seine langjährige Beschäftigung mit dem Werk Friedrich Nietzsches, der großen Ausnahmegestalt des 19. Jahrhunderts, ergibt hier den philosophiegeschichtlichen Bezug. 110 Jahre nach seinem Tod gilt Nietzsches Werk den Philosophen noch immer als ein zu entdeckender Kontinent.

Mehr als 150 internationale Nietzsche-Kenner trafen sich vor Kurzem an der TU Berlin zur Wissenschaftstagung "Nietzsche als Wissenschaftsphilosoph" des IZW, um in 16 Plenarvorträgen und 48 weiteren Beiträgen in 22 Sektionssitzungen Aktualität und anhaltende Bedeutung des Werkes Nietzsches kritisch zu diskutieren. Bereichernd waren auch die Pausengespräche, in denen oft in aphoristischer Formulierung der Extrakt ganzer Forschungsjahre zusammengefasst schien. Hier kann nur marginal und selektiv auf wenige Aspekte jener Tagung verwiesen werden. Vielleicht entfachen sie dennoch die Lust, sich wieder einmal der lohnenden, wenn auch nicht leichten Nietzsche-Lektüre zu widmen.

Es sind insbesondere vier Punkte, die Nietzsche zu einem modernen Dialogpartner machen. Er hat, erstens, gegen den Mainstream seiner Zeit das Problematischwerden des klassischen Wahrheitsbegriffs formuliert. Die Relativierung des Wahrheitsbegriffs bedeutet allerdings nicht die Infragestellung des Erkenntniswillens. Er würdigt, zweitens, zwar die Wichtigkeit der modernen Wissenschaft, doch benennt er zugleich ihre Grenzen. Sein Denken weist sich, drittens, durch Reflexion, Kritik und Arbeit an und mit der Sprache aus. Seine späte, kontextbezogene Aphoristik zeichnet sich, viertens, durch ein hohes Problembewusstsein auf wissenschaftstheoretischem Gebiet aus und bleibt für uns Heutige vorbildlich. Wie Günter Abel im Plenum unterstrich, überragt Nietzsche darin heute immer noch manchen modernen Philosophen. Insofern bleibt die Analyse seines Denkens und seiner heuristischen Methoden eine unabgeschlossene Aufgabe.

Hans Christian Förster / Quelle: "TU intern", 12/2010

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