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TU Berlin

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Forschung

Erheblicher Handlungsbedarf

Expertenkommission nimmt Stellung zum Monitoring-Bericht „Energie der Zukunft“ der Bundesregierung – Ziele der Energiewende könnten verfehlt werden

Bei den Erneuerbaren müssen jetzt wichtige Weichen gestellt werden, wenn wesentliche Ziele der Energiewende noch erreicht werden sollen
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„Wenn Deutschland die von der Bundesregierung angestrebten Ziele der Energiewende erreichen will, besteht erheblicher Handlungsbedarf“, sagt Prof. Dr. Georg Erdmann, Leiter des Fachgebiets Energiesysteme an der TU Berlin. Er ist Mitglied der 2011 von der Bundesregierung einberufenen vierköpfigen Kommission unabhängiger Energieexperten zum Monitoring-Prozess „Energie der Zukunft“. Im Dezember 2016 legte diese ihre Stellungnahme zum fünften Monitoring-Bericht der Bundesregierung vor, der jedes Jahr über den Fortschritt der 10-Punkte-Agenda zur Energiewende informiert.

„Wichtige Weichen müssen jetzt gestellt werden. Dabei muss vor allem die Glaubwürdigkeit der Energiewende erhalten bleiben, der Verkehr nicht zu eng gedacht werden und es müssen die Chancen der Digitalisierung genutzt werden. In der Ökostrom-Förderung bräuchten wir sogar einen kompletten Systemwechsel“, so Erdmann. Das jetzige System stoße an seine Grenzen, hat die Kommission festgestellt. Förderkosten für die Erneuerbaren von mehr als 22 Milliarden Euro jährlich belasteten den Strompreis und behinderten die neuen Konzepte der Sektorkopplung, also die Substitution fossiler Brennstoffe durch erneuerbare Elektrizität. Die Finanzierung der Transformation des Energiesektors sei auf diese Weise nicht zukunftsweisend, ein Systemfehler, kritisieren Erdmann und seine drei Kollegen von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, dem Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Stuttgart und der AG Energiebilanzen e.V., Berlin.

In ihrer Stellungnahme ordnen die vier Experten den Monitoring-Bericht, der sich auf das Jahr 2015 bezieht, wissenschaftlich ein und bewerten ihn. In acht Kapiteln haben sie dazu programmatische Leitsätze formuliert, um dazu beizutragen, die nächste Phase der Energiewende erfolgreich zu gestalten. Positiv vermerken die Wissenschaftler, dass der Ausbau der erneuerbaren Elektrizitätserzeugung gut vorangekommen ist. Bis 2020 sollten damit mindestens 35 Prozent des Bruttostromverbrauchs abgedeckt werden. Im Jahr 2015 waren bereits 31,5 Prozent erreicht. Ganz anders sieht es dagegen im Verkehrsbereich aus. Das Ziel, den Anteil der erneuerbaren Energie auf zehn Prozent zu steigern, dürfte bis 2020 verfehlt werden, zumal dieser zuletzt sogar auf 5,2 Prozent zurückgegangen ist. Ebenso düster sehe es bei der Stromeffizienz aus. Bis 2020 soll der Stromverbrauch um 10 Prozent gegenüber 2008 zurückgehen, doch aktuell sind es lediglich 3,8 Prozent. Besonders kritisch sehen die Wissenschaftler die Situation beim angestrebten Rückgang der Treibhausgas-Emissionen. Seit 1990 seien sie von 1,2 Milliarden Tonnen auf rund 908 Millionen Tonnen zurückgegangen, also um insgesamt 27 Prozent. Doch angestrebt wird ein Rückgang von 40 Prozent bis 2020 – ein kaum noch erreichbares Ziel. Eine kurzfristige Verschärfung des Europäischen Emissionshandels ist nicht zu erwarten. Aber Deutschland könnte Emissionsrechte im Alleingang stilllegen, sollte dies aber in Brüssel politisch abstimmen. „Insgesamt ist Deutschland zwar in einigen Bereichen gut vorangekommen“, sagt Georg Erdmann, „aber es sind noch erhebliche Anstrengungen vonnöten, um am Ende nicht allzu weit von den gesteckten Zielen entfernt zu liegen.“ Auch die TU Berlin beteiligt sich an diesen Anstrengungen, und zwar durch einschlägige Forschungsprojekte oder auch durch die Initiierung und aktive Teilnahme am neuen WindNODE-Schaufensterprojekt mit rund 40 anderen Partnern. Die Bedeutung wurde kürzlich auch im Koalitionsvertrag des neuen Berliner Senats hervorgehoben. Siehe dazu auch „TU intern“ 12/2016.
    
Der fünfte Monitoring-Bericht der Bundesregierung sowie die Stellungnahme der Experten sind als PDF downloadbar:
www.bmwi.de/DE/Themen/Energie/Energiewende/monitoring-prozess.html 

Patricia Pätzold, "TU intern" 20. Januar 2017

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