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TU Berlin

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Forschung

Die Nützlichkeit des nutzlosen Wissens

Die entscheidende Rolle der Grundlagenforschung für die Realisierung gesellschaftlicher Träume

Der vielfach ausgezeichnete Helmut Schwarz ist Chemie-Professor an der TU Berlin und Präsident der Alexander von Humboldt-Stiftung
Lupe

Die meisten wissenschaftlichen Durchbrüche sind nicht geplant und können es auch nicht sein. Sie tauchen oft in ganz unerwarteten Momenten und aus einer ganz unerwarteten Richtung auf. Es ist die Leidenschaft des Individuums, die die großen Entdeckungen und Erfindungen hervorbringt, sagt Helmut Schwarz, TU-Professor für Organische Chemie und Präsident der Alexander von Humboldt-Stiftung, und so sind die Wahl hervorragender Persönlichkeiten und deren Ausstattung mit intellektueller Freiheit und großzügiger finanzieller Unterstützung der Schlüssel zum Erfolg akademischer Institutionen.

In der renommierten Fachzeitschrift „Nature Reviews Chemistry“ plädiert er in einem Anfang Januar 2017 erschienenen Artikel dafür, die entscheidende Rolle der Grundlagenforschung bei der Umsetzung von gesellschaftlichen Träumen stärker zu beachten und ihr dafür größeren Raum zu geben („The usefulness of useless knowledge“ – on the crucial role of basic research in realizing society’s dreams and aspirations). Denn Grundlagenforschung sei, wie das Schreiben einer Oper, kein Luxus, sondern zuallererst eine Kulturleistung, die Unterstützung, Geduld und Beharrlichkeit erfordere. Das Vertrauen in Menschen habe sich mithin stärker bewährt als einzig das Vertrauen in ein Monitoring-System, das mitunter auf fragwürdigen Füßen stehe.

Schon Abraham Flexner, Gründungsmitglied des Institute for Advanced Studys in Princeton, hat 1939 beschrieben, wie oft quasi „beiläufiges“ Experimentieren schon zu den größten Entdeckungen geführt habe. Bereits damals wandte sich Flexner gegen die „Hegemonie der Nützlichkeit“ bei der Forschungsförderung. Vielmehr wünschte er sich eine Befreiung des menschlichen Geistes. Das war damals – und ist es noch heute – Musik in den Ohren derjenigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die aus Neugier und aus Liebe zur Wissenschaft forschen. Bis heute, so Helmut Schwarz, sei dieser Essay das Bezwingendste und Überzeugendste zur Vitalität der Grundlagenforschung.

Eine bedeutende Rolle spiele dabei, damals wie heute, das Individuum. Die „Terra incognita“ zu entdecken, das Unbekannte, das treibe viele Forschende an. Erfolge und Rückschläge wechselten sich dabei ab, und meist sei der durchschlagende Erfolg am Ende auch das Werk vieler, die alle einzelne Puzzleteile beitrügen. Doch das treibende Individuum sei es, das die besondere Unterstützung benötige, dem Vertrauen entgegengebracht werden müsse, das den Freiraum brauche, um sein Potenzial voll zu entfalten.

Diese Forderung ist auch das Herzstück des 2016 von mehr als 13 000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern unterschriebenen Manifests „Trust Researchers“, mit dem eine Gruppe von Wissenschaftsakteuren sich an das Europäische Parlament gewandt hat. Darin fordern sie eine entscheidende Vereinfachung der administrativen Auflagen und Belastungen in der Struktur der europäischen Forschungsförderung. Denn, so zitiert Helmut Schwarz Vannevar Bush, Wissenschaftsberater von US-Präsident Roosevelt, der hinter der Gründung der National Science Foundation der USA stand: „Wissenschaftlicher Fortschritt auf breiter Front resultiert auf dem freien Spiel freier Intellekte, die an Projekten eigener Wahl arbeiten, geleitet von ihrer Neugier, das Unbekannte zu entdecken.“   

www.nature.com/natrevchem
www.nature.com/articles/s41570-016-0001
doi:10.1038/S41570-016-0001

Patricia Pätzold, "TU intern" 20. Januar 2017

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