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TU Berlin

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Forschung

Das „Marie-Curie-Phänomen“ – Frauen als Ausnahme

Wie in technischen Museen Kulturgeschichte geschrieben wird – Ideen für eine neue Museumspraxis

Das Deutsche Technikmuseum Berlin war Partner im Projekt
Lupe

„Was Eingang in die Museen findet, ist vielfach auch das, was zum kulturellen Erbe wird“, sagen Dr. Hannah Fitsch und Dr. Daniela Döring vom Zentrum für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung der TU Berlin (ZIFG). „Gerade in den Technikmuseen ist die Randstellung der Frau besonders auffällig.“ Oft tauchten Frauen als Ehefrau und Begleitung, als Arbeiterin in weiblich stigmatisierten Sphären, als Konsumentin, im Haushalt oder als Exotin und Ausnahmefall auf. Oder indirekt: der Schminkspiegel in der Sonnenblende auf der Beifahrerseite von Fahrzeugen oder der ihr zugedachte hintere Sitz auf dem Tandem ohne Steuerungsmöglichkeit. Die Genderdebatte ist zwar in den letzten Jahren auch in den Technikmuseen angekommen, doch noch allzu oft präsentiert sich in der Ausstellungspraxis die Auseinandersetzung in Form von Gegenüberstellungen und Ergänzungen. Den vielen männlichen Erfindergeschichten werden einige wenige Biografien weiblicher Erfinderinnen gegenübergestellt – und dann zumeist auch immer nur dieselben wenigen Frauen wie Marie Curie, Käthe Paulus oder Ada Lovelace. Auch werden die Damen immer mit Vornamen genannt – anders als die Heerschar an Männern wie Benz, Edison, Porsche oder Wright. „Marie-Curie-Phänomen“ nennen Martina Griesser und Nora Sternfeld diese Erscheinung in einem Beitrag über neue Strategien des Ausstellens, die dazu führen können, dass der erlernte Blick verlernt wird. Der Beitrag ist einer von neun weiteren in der Publikation „Gender Technik Museum. Strategien für eine geschlechtergerechte Museumspraxis“, die nun, nach Ende des gleichnamigen, vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Vorhabens, am ZIFG erschien.

„Die feministische Frauen- und Genderforschung hat vielfach die Ausschlüsse von Frauen aus den großen Geschichtserzählungen nachgewiesen, besonders in den Technik- und Naturwissenschaften“, erklärt Hannah Fitsch die Ausgangssituation. „Die Sammlungen und Repräsentationen in technischen Museen konzentrieren sich vornehmlich auf große Maschinen, Apparate und Original-Objekte mit technischen Daten wie Eisenbahnen, Webstühle, Fahrräder, Computer und vernachlässigen kulturgeschichtliche und geschlechtspolitische Lebensbedingungen.“ Die Einsichten zur differenzierten Museumsgestaltung hätten zwar bereits partiell Eingang in die Museumspraxis gefunden, doch noch sei die Aufgabe nicht gelöst, weibliche Leistungen in die Inszenierung zu integrieren, anstatt ihnen den Sonderstatus des Andersseins zuzuweisen.

Ziel des Projekts war es zum einen, den Erfahrungsaustausch und die Vernetzung von Technikmuseen, der Geschlechterforschung und Förderprogrammen für Frauen in Naturwissenschaft und Technik zu initiieren, und zum anderen, das Innovationspotenzial der Genderforschung in die museale Praxis einzubringen und auch die Museen im Ringen um eine Neudefinition zu unterstützen. Die Auftaktkonferenz fand 2015 im Deutschen Technikmuseum in Berlin (DTMB) statt, das auch aktiver Partner im Projekt war. Unter anderem wurden in fünf technischen Museen empirische Daten dazu erhoben, welches Genderwissen, welche Kompetenzen in der Sammlungs-, Ausstellungs-, Vermittlungs- und Personalpolitik vorhanden sind: neben dem DTMB im Deutschen Museum München, im Technischen Museum Wien, im Militärhistorischen Museum Dresden sowie im Museum der Arbeit Hamburg. 

Daniela Döring und Hannah Fitsch (Hg.): Gender Technik Museum. Strategien für Geschlechtergerechtigkeit in der Sammlungs-, Ausstellungs-, Vermittlungs- und Personalpolitik technischer Museen, ZIFG, TU Berlin 2016
www.gendertechnikmuseum.de

Patricia Pätzold, "TU intern" 20. Januar 2017

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