direkt zum Inhalt springen

direkt zum Hauptnavigationsmenü

Sie sind hier

TU Berlin

Inhalt des Dokuments

STADTVISIONEN 1910 | 2010

Berlin Paris London Chicago - 100 Jahre "Allgemeine Städtebau-Ausstellung in Berlin"

Städtebau geht alle an. Städtebau bestimmt entscheidend mit, wo und wie wir wohnen und arbeiten, wie und wie viel wir uns bewegen, ob und wo wir uns erholen, ob und wie sehr wir uns wohl fühlen, aber auch, wie viel das Stadtleben heute und für unsere Nachkommen kostet. Im Städtebau bündeln sich unsere Hoffnungen und Visionen einer besseren, lebenswerten Stadt, aber oft auch Kritik und Empörung. Städtebau hat immer stattgefunden, seitdem es Städte gibt. Als Profession mit eigenen Visionen, Prinzipien und Methoden, Lehrbüchern, Persönlichkeiten, Verbänden, universitären Lehrveranstaltungen, Zeitschriften, Kongressen und Ausstellungen hat sich Städtebau allerdings erst vor dem Ersten Weltkrieg etabliert - damals mit großem Erfolg.

Allgemeine Städtebau-Ausstellung in Berlin 1910

Am 1. Mai 1910 öffnete in der Hochschule für die bildenden Künste an der Charlottenburger Hardenbergstraße (der heutigen Universität der Künste) die "Allgemeine Städtebau-Ausstellung" ihre Pforten. Anlass war der Städtebau-Wettbewerb für Groß-Berlin, dessen Ergebnisse zusammen mit vielen Projekten und Plänen aus Deutschland und dem Ausland gezeigt wurden. Mit 65.000 Besuchern fand die Ausstellung eine überraschend positive Resonanz in der breiteren Öffentlichkeit. Auch das internationale Echo war groß. Im August desselben Jahres wurde sie in Düsseldorf gezeigt, und im Herbst wanderten Teile der Ausstellung anlässlich der International Town Planning Conference nach London.

Ausstellung STADTVISIONEN 1910 | 2010

Die Ausstellung STADTVISIONEN 1910 | 2010 möchte an das Jahrhundertereignis der "Allgemeinen Städtebau-Ausstellung" erinnern. Sie stellt zwei Schlüsselzeiträume des Städtebaus gegenüber: die Jahre um 1910 und um 2010.

Um 1910

Die Städtebau-Ausstellung 1910 fasste das damalige Wissen über den Städtebau zusammen. Sie thematisierte erstmalig in umfassender Weise die neue städtebauliche Realität der Stadtregion in der Industriegesellschaft. Es galt Lösungen zu finden "sowohl für die Forderungen des Verkehrs, als für diejenigen der Schönheit, der Volksgesundheit und der Wirtschaftlichkeit". Nur ein multidisziplinärer Zugriff könne die aktuellen Probleme der Großstädte bewältigen - das war die zentrale Botschaft der neuen Profession Städtebau.

Um 2010

Heute, nach 100 Jahren, steht die nachhaltige Gestaltung der postindustriellen Stadtregion auf der Tagesordnung. Die großen Themen sind zum Teil geblieben, wenngleich sich ihre Inhalte radikal verändert haben. Ein neues Verständnis von reflexiver Moderne sucht sich den Weg auch in die städtebaulichen Konzeptionen, deren Spektrum breit ist und die im gestalterischen Detail umstritten sind. Zugleich werden zentrale Probleme der aktuellen Entwicklung deutlich: etwa eine radikale Schwächung der Steuerungskapazität der öffentlichen Hand und die damit verbundene Hilflosigkeit gegenüber neoliberalen Strategien und neuen sozialen Polarisierungen, die die Stadt gefährden.

Berlin/Paris/London/Chicago

Die Ausstellung konzentriert sich auf vier herausragende Großstädte, die um 1910 wie heute im Städtebau Aufmerksamkeit erzeug(t)en: Berlin, Paris, London und Chicago. In Berlin ging es um 1910 darum, Antworten auf die Herausforderungen einer chaotisch wachsenden Großstadt der Industriegesellschaft zu finden. Heute, 100 Jahre später, zeigt sich Berlin als Modell einer Metropole der postindustriellen Gesellschaft. 1910 wurde Paris durch die großen Pläne und Visionen von Eugène Hénard geprägt. Die Initiative "Grand Paris" setzt heute Zeichen für eine neue nationale Stadtentwicklungspolitik. Der Großraum London war 1910 das Mekka der Gartenstadtbewegung. Ziel war eine geordnete Dezentralisierung der Großstadt. 2010 zeigt sich London ganz anders - als Modell der Rezentralisierung, der erfolgreichen Renaissance des Zentrums wie der Subzentren. In Chicago wurde 1909 der weltberühmte Plan von Daniel H. Burnham zur Aufwertung der wenig attraktiven Großstadt vorgestellt. Mit "Chicago Metropolis 2020" liegt ein neuer strategischer Plan zur nachhaltigen Entwicklung der Stadtregion vor.

Renaissance des Städtebaus

Im Städtebau mischen viele mit - nicht nur die Fachleute in privaten Planungsbüros und öffentlicher Verwaltung, auch Politiker, vor allem private Unternehmer. Und nicht zuletzt die Bürger der Stadt. Der Streit um die Hochhäuser in München, um die Rekonstruktion von Altstädten, um Mediaspree in Berlin, um Stuttgart 21 und vieles mehr verweist auf das zunehmende Gewicht der Zivilgesellschaft im Städtebau.

Das neue Bürgerengagement erfordert eine Wiedergeburt des Städtebaus als öffentliche Aufgabe, an der Bürger aktiv mitgestalten können. In der öffentlichen Debatte geht es darum, neben der ökologischen auch die wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Dimensionen der Nachhaltigkeit in einem gestalterischen Konzept zu vereinen. Die geeignete räumliche Dimension ist auch heute nicht mehr die Kommune mit ihren engen Grenzen, sondern die Stadtregion.

Ein guter Städtebau wird durch Visionen einer besseren, langfristig lebensfähigen Stadtregion beflügelt. Sicher - wir haben mit Visionen in den letzten 100 Jahren auch schlechte Erfahrungen gemacht. Visionen waren oft rücksichtslos gegenüber der vorhandenen Stadt und den dort lebenden Bürgern. Wir brauchen daher Visionen, die die europäische Stadt in die Zukunft führen und die Bürger dabei mitnehmen. Visionen bündeln die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit, sie mobilisieren Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft, sie werden zum Gegenstand einer öffentlichen Auseinandersetzung, wie auf die dramatischen neuen Herausforderungen reagiert werden soll. Damit diese auf hohem Niveau und zu angemessenen Lösungen geführt werden kann, ist eine Verarbeitung historischer und internationaler Erfahrungen unerlässlich. Auch das war eine Botschaft der Städtebau-Ausstellung von 1910.

Themenfelder der STADTVISIONEN 1910 | 2010

Das Spektrum darstellbarer städtebaulicher Projekte und Pläne ist äußerst breit und bunt, voller Widersprüche und Ausdruck unterschiedlichster Kulturen. In diesem schrillen Konzert fragt die Ausstellung STADTVISIONEN 1910 | 2010 nach den wichtigsten, den großen städtebaulichen Themenfeldern um 1910 wie um 2010, die in den vier Großstädten Berlin, Paris, London und Chicago mehr oder weniger von Bedeutung waren beziehungsweise sind - immer vor dem Hintergrund der Herausforderungen, denen sich diese Themen stell(t)en. Dabei war es den Ausstellungsmacherinnen und -machern wichtig, die Perspektive des Städtebaus einzunehmen, also von der baulich-räumlichen Dimension der Stadt auszugehen, nicht von ihren Problemen - wie etwa der Verkehrsfrage, der Freiflächenfrage, der sozialen Frage, der ökologischen Frage oder der ökonomischen Frage. Insgesamt haben sie für die Zeit um 1910 sechs und für die Zeit um 2010 acht Themen ausgemacht, die das Spektrum des Städtebaus der jeweiligen Zeit umfassend abdecken. Einführungstexte erläutern diese Themen und führen in konkrete städtebauliche Vorschläge ein.

Städtebauliche Themen um 1910

  1. Kult des großen Plans
  2. Monumentalisierung des Stadtzentrums
  3. Urbane Alternativen zur hoch verdichteten Innenstadt
  4. Neue Gartenvorstädte
  5. Grünzüge, Grüngürtel und Volksparks
  6. Mobilität in der Stadtregion

Städtebauliche Themen um 2010

  1. Neue Stadtmitte: Schaufenster der Stadtregion
  2. Alte Arbeiterquartiere: Brennpunkte des Wandels
  3. Quartiere des sozialen Wohnungsbaus: Abriss oder Umbau
  4. Stadtbrachen: Potenziale mit Zukunft
  5. Alternativen zur suburbanen Zersiedelung
  6. Großstadtgrün: vom Community Garden bis zum Regionalpark
  7. Prima Klima: nachhaltige Mobilität in der Stadtregion
  8. Kult des strategischen Plans

2010 - Jahr des Städtebaus

Der Städtebau erfährt eine neue, wachsende Aufmerksamkeit. Die Ausstellung STADTVISIONEN 1910 | 2010 ist keineswegs die einzige Veranstaltung, die das Thema Städtebau im Jahre 2010 aufruft. Eine Vielzahl von Aktivitäten macht das Jahr 2010 zu einem Jahr des Städtebaus in Deutschland. Dazu gehören:

  • das Finale der Internationalen Bauausstellung (IBA) Stadtumbau Sachsen-Anhalt,
  • das Finale der IBA Fürst-Pückler-Land in Brandenburg,
  • die Halbzeit der IBA Hamburg,
  • das 50jährige Bestehen der Arbeitsgemeinschaft "Die alte Stadt", die nunmehr den Namen "Forum Stadt - Netzwerk historischer Städte e.V." führt,
  • das Großereignis Kulturhauptstadt Europas Essen Ruhr,
  • die erste Konferenz zur Schönheit und Lebensfähigkeit der Stadt des Deutschen Instituts für Stadtbaukunst in Düsseldorf,
  • die Ausstellung des Architekturmuseums der TU München "Geschichte der Rekonstruktion. Konstruktion der Geschichte",
  • die große Ausstellung des Bundes "REALSTADT. Wünsche als Wirklichkeit" in Berlin,
  • die Ausstellung "Dynamik + Wandel. Eine Ausstellung zur Entwicklung der Städte am Rhein 1910-2010+" des Museums für Architektur und Ingenieurbaukunst (MAI) in Kooperation mit "regionale 2010" und Kolleg Stadt NRW in Köln.

STADTVISIONEN 1910 | 2010 ist ein Projekt der Nationalen Stadtentwicklungspolitik des Bundes. Die Ausstellung und der Katalog werden durch das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) und das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) gefördert.

Ausstellung und Buch sind außerdem ein Beitrag der Technischen Universität Berlin für das Berliner Wissenschaftsjahr 2010.

Zusatzinformationen / Extras

Direktzugang

Schnellnavigation zur Seite über Nummerneingabe

Diese Seite verwendet Piwik für anonymisierte Webanalysen. Mehr Informationen und Opt-Out-Möglichkeiten unter Datenschutz.

Fotogalerie

Paris 1910, Urbane Alternativen zur hochverdichteten InnenstadtParis 1910, Urbane Alternativen zur hochverdichteten InnenstadtParis 1910, Urbane Alternativen zur hochverdichteten Innenstadt
zur Fotogalerie